Dienstag, 15. September 2020

Show Me The Way To The Next Loony Bin ...

I'm sitting in this cab which is supposed to take me to hospital. I could have taken a train, of course, and sent the luggage ahead - but then I don't trust the postal services. What if my suitcase got lost? And me walzing about in a hospital gown for the next six weeks? No way! So I got me a cab.

The driver is my best friend's brother who is happy to get custom in these difficult times. We don't know each other, not having met before, ever, so we sit in silence. I have to wear a face covering and sit on the back seat anyway which further disencourages conversation.

I'm used to not talking anymore. There seems to be only one subject these days and most people seem to have a very decided opinion on the matter. Woe betide you if you don't share this particular opinion of which there seem to exist only two: Pro or contra strict corona measures.

I'm an artist. I challenge fixed structures, both of mind and matter. I'm looking forward to being amongst people again, though, I muse, as the city traffic moves by my window. Lots of cars on the roads on this Tuesday morning. Shouldn't they be at work by now? The drivers, of course, not the cars. What kind of work could cars do? One becomes funny if one is alone for too long.

Will the Corona rules be very strict?
Will my room be nice and quiet?
Will there be nice folks in my group?
What does psychotherapy with a face mask feel like?
Lots of questions in my mind.

Meanwhile we reached the autobahn. Here, too, an amazingly high number of cars. What business do that many people have on the autobahn in an ordinary workday? Surely they can't all be salesmen about to peddle their goods?

The traffic becomes thinner as we get off the autobahn and wind our way across the country lanes in Upper Bavaria. I admire the way my driver seems to know exactly where we are going.

The year before, my brother drove me and he didn't have the faintest most of the time despite using GPS on his phone - which in the end led us to a nicely decorated frontyard full of ceramic hens and grinning dwarfs and proudly announced: You have now reached your destination. Well ... not quite.

This year, however, I already know most of Bad Endorfs roads and can guide my driver directly to the clinic doors. Which of us is gladder to be finally rid of the other, I will never know.





Sonntag, 13. September 2020

Der Schuhladen



Trübsinnig saß ich auf der Schwelle vor meinem Laden und starrte bitter vor mich hin.

Viele, viele Jahre lang hatte ich diesen Schuhladen mit Liebe und Herzblut geführt, mir keinen Urlaub gegönnt und jeden Kundenwunsch zu erfüllen versucht. Alt und grau war ich darüber geworden obwohl ich noch nicht einmal fünfzig Lenze zählte. Doch legten die Menschen im neuen Jahrhundert, trotz ihres Wohlstandes, Wert auf gutes Schuhwerk? Nein, taten sie nicht. Sie kauften sich im Billigladen minderwertige Latschen, liefen damit drei Monate rum und warfen sie danach weg. Praktisch niemand brachte mehr hübsche, hochwertige Schuhe zum Richten. Und wenn, dann jedenfalls nicht zu mir.
 
Den größten Teil des Tages konnte ich nur mehr im Hinterzimmer dösen und selbst die notwendig gewordenen Schönheitsreparaturen an der Fassade konnten keine Kunden mehr anlocken, Geld für üppige Dekorationen war sowieso keins mehr vorhanden. Wie lange würde ich noch ausharren können, bis die Bank mir den Kredit kündigte?

Die Hauptverkehrsstraße vor meiner Nase war an diesem Vormittag nicht weniger belebt als sonst auch, nicht enden wollende Fußgängermassen zogen vorüber, Radlfahrer klingelten sich den Weg frei und Kolonnen von Stadtbussen  transportierten mehr oder weniger gut gelaunte Menschen an ihr jeweiliges Ziel. Nebenan mampften zufriedene Kunden Döner und Kebab von Omar dem Türken, der fröhlich grinsend mit dem Dönersäbel in der Hand seine Witze riß, jeden Tag andere, so daß sogar die Stammgäste immer wieder was zu Lachen hatten. 

Plötzlich wurde ich eines jungen Burschen gewahr, der selbstvergessen auf seinem Radl im Zickzack von rechts dahergedübelt kam, ohne darauf zu achten, wer noch alles an diesem sonnigen Tag hier unterwegs war. Beispielsweise der dunkelblaue Mercedes, der gerade auf meiner linken Seite extrem zügig aus der Tiefgarage auftauchte, ohne sich um wildgewordene jugendliche Radlfahrer oder andere Passanten zu scheren. Rasch sprang ich auf und stellte mich panisch wedelnd dem Jungen in den Weg: 'Halt!', schrie ich. 'Stehenbleiben!' Erschrocken trat der Bub in die Bremsen, konnte jedoch einen Aufprall nicht mehr verhindern. Das scheußliche Geräusch von schleifendem Metall auf Gehsteig, ein heißer Schmerz in meiner Schulter, alles bunt durcheinander und dann ... nichts mehr.

Als ich aus ihrer Ohnmacht erwachte, lag ich in meinem Hinterzimmer auf der Couch, mein Schädel brummte und eine junge Frau saß an meiner Seite. Verwirrt hob ich den Kopf und griff mir gleich darauf stöhnend an denselben. 'Immer langsam,' lächelte die junge Frau. Hast ordentlich was abbekommen. Du kennst mich nicht, ich heiße Valeriana und du hast vorhin meinen Sohn gerettet, sonst wäre er statt in dich in dieses Bonzenauto reingedonnert. Kann man sich vorstellen, wie das ausgegangen wär. Der Typ ist natürlich ungerührt weitergefahren, war sich keiner Schuld bewußt. Aber heute Abend wird ihn seine Frau verlassen. Das weiß er nur noch nicht.'

'Ah,' meinte ich. Die Frau grinste entschuldigend und fügte hinzu: 'Nicht, daß du denkst ich hab einen an der Klatsche. Ich bin sowas wie eine Hexe, nur nennt man das heutzutage anders. Fachfrau für Paranormalitäten beispielsweise. Aber wurscht jetzt, ich wollte dir einfach meine Dankbarkeit bekunden und dir mitteilen, daß ich einen Weg gefunden habe, dein Geschäft wieder etwas zu beleben. Jaaaaa ich kann ein bissl hellsehen, aber glaube mir das ist keine Freude. Das meiste willst ned wirklich wissen. Und wie das abläuft, mit der Geschäftsbelebung? Na, des wirst schon sehen. Wollte nur gucken, ob du keine bleibenden Schäden hast bzw. diese versuchen zu lindern, aber ich sehe schon, es geht eh besser, oder?'

Benommen blickte ich in ihre verschmitzten Äuglein und mußte zugeben, daß der Kopfschmerz zur Gänze verschwunden war und ich auch sonst keine Schmerzen verspürte. Bevor ich jedoch auch nur ein Wort an die freundliche junge Frau richten konnte, war sie mit einem Happs verschwunden, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Vielleicht hatte ich doch was am Kopf zurückbehalten? Vorsichtig richtete ich mich auf und stakste zu meinem Logenplatz vor der Türe zurück. 

Kaum jedoch hatte ich mich niedergelassen, mußte ich mitansehen, wie eine Frau, die behende auf ihren ewig hohen Stöckelschuhen dahergeeilt kam, mit einem Mal bös stolperte und hinterher betroffen auf den Absatz ihres linken Schuhs blickte, der sich nun statt am Schuh in einer Spalte zwischen zwei Pflastersteinen befand. Hilfesuchend blickte sie umher, strahlte glücklich auf als sie mein Ladenschild entdeckte und kam hinkend auf mich zu. 'Sagen Sie, hätten Sie wohl kurz Zeit, mir den Absatz wieder ranzumachen? Ich bin auf dem Weg zu einer Verabredung. Also, eh früh dran, aber es wär mir schon wichtig ...'
Aber klar hatte ich Zeit! Und Lust und Freude, über den unverhofften Auftrag!

Kurz drauf stöckelte die Dame beschwingt von dannen, ihrem Liebsten entgegen, und ich ließ mich erneut auf meiner Schwelle nieder. Ja, und was soll ich sagen, kurz drauf löste sich wie von Wunderhand bei einem vorbeieilenden Turnschuh die Sohle ab ... und auch der Inhaber dieses widerspenstigen Schuhs war hocherfreut, sich just in diesem Moment vor einem Schusterladen zu befinden.

Und so ging es in einem fort, immer wieder bekamen während der folgenden Tage, Wochen und Monate Leute kurz vor dem Laden auf einmal Probleme mit ihren Schuhen und empfanden es als kleines Wunder, daß ihr Malheur immerhin direkt vor einem Schusterladen stattfand und so rasche Abhilfe geschaffen werden konnte.

Wie die gute Hexe, äh, Fachfrau für Paranormalitäten, dies fertiggebracht hatte, ist  mir bis heute ein Rätsel.
Kleine Schreckensgeister, die in die Schuhe fuhren und sie zerstörten? Naja, egal. Hauptsache der Laden brummt wieder, und das tut er. Mein Bankberater ist auch zufrieden, gestern hat er sogar gelacht als ich mit meiner neuen Frisur reinkam und fast ein bissl neckisch geschaut. Ist schon ein ganz ein Fescher. Ob er mich wohl bald einmal zum Essen einladen möcht? Naja, man wird ja noch träumen dürfen ...










Montag, 31. August 2020

Even after all these years ...


Immer wieder hatte ich diesen Traum gehabt: Wir sitzen, stehen oder liegen nebeneinander und sprechen uns endlich einmal aus. Du bist freundlich, zugewandt, hörst mir zu, und ich kann dich fragen: Warum? Warum hast du so reagiert, damals? Deine unnahbare Diva von Agentin vorgeschoben und dich jeglicher Konfrontation entzogen?

Deine Antwort ist nicht mehr wichtig, jetzt, wo du tatsächlich neben mir stehst, meine Hand ergreifst, mich zärtlich ansiehst und ich von diesem unbeschreiblichen Gefühl durchflutet werde, genau wie in meinen Träumen. Nur schöner, weil wahr. Wie gerne würde ich deine Körperlandschaft erforschen, dich langsam entblättern, mich verlieren in deinen Erkern und Buchten, irgendwann auch zu deinen Kronjuwelen und dem heiligen Zepter vordringen ... aber so weit sind wir noch lange nicht, noch sind wir bei mir zuhause, im Kreise meiner Familie, werden beobachtet und müssen uns benehmen, sind gebunden von den Fesseln der Konvention. Müssen die aufdringlichen Fragen meiner kleinen Brüder geduldig beantworten, meiner Mutter versichern, daß wir nun aber wirklich satt sind und gerne noch ein bisserl rausgehen möchten, vielleicht auf den Spielplatz, um eine Sandburg zu bauen, soferne wir noch gelenkig genug sind, um in der Hocke sitzend eine Zeitlang ausharren zu können, oder sonstwas Kindisches zu machen? Übermütig uns aneinander und am Leben zu erfreuen?

Aber nein, ich vergaß, es ist bereits spät, mein Vater blickt streng auf die Uhr, es ist Zeit, uns zu verabschieden, ich bringe dich zur Türe, wir küssen uns zum Abschied ... die Nachbarstüre öffnet sich, Kinder lugen neugierig heraus, du machst Faxen, sie lachen, wir gehen um die Ecke und schmusen weiter ... auf einmal steht mein Vater vor uns und hält dir seine Faust unter die Nase. Erschrocken sagst du: Ich gehe ja schon ... und entfernst dich rasch, ich eile dir nach, du drehst dich halb um und rufst: Ok, du hast jetzt keinen Freund mehr!!!

Traurig kehre ich nach Hause zurück, sammle unterwegs meine verstreuten Ohrringe und Halsketten wieder ein ... als ich die Wohnung betrete ist mein Vater gerade dabei, meine Urlaubsfotos einzuschmelzen. Als er mich erblickt hält er inne doch es ist zu spät, in blindem Haß hat er bereits die meisten Fotos verdorben, er blickt mich an und ich kann die Wut in seinen Augen sehen.

Er greift nach seiner Krawatte, und bevor einer von uns reagieren kann, hat er sie sich um den Hals gewunden, das andere Ende am Rohr befestigt, das über unseren Köpfen verläuft, und ist vom Tisch gesprungen. Er lebt noch, aber ich komme nicht zu ihm hin, der Tisch versperrt den Weg, ich schreie meinen Bruder an, eine Schere zu holen und die Krawatte durchzuschneiden ... was dieser auch versucht, doch er müht sich vergebens, die Schere ist zu stumpf ... er sucht verzweifelt nach einer schärferen Schere ... und dann wache ich auf.

Wieder nur ein Traum ...









Sonntag, 7. Juni 2020

Wenn Bücher sprechen könnten ...



Darf ich mich vorstellen? Ich bin ein Buch. Ein sehr, sehr altes Buch, das seit einiger Zeit im offenen Bücherschrank neben der St-Agnes-Kirche im Münchner Norden sitzt. Jeder darf sich hier Bücher nehmen und natürlich auch welche bringen.

Manche von uns werden, kaum daß sie gebracht wurden, schon wieder mitgenommen, andere, so wie ich, sitzen schon sehr lange hier. 

Die Kirchenglocke schlägt alle 15 Minuten, eine Erinnerung daran, daß die Zeit vergeht. Was für ein so altes Buch wie mich natürlich höchst irrelevant ist. Was bedeutet mir ein Jahr, ein Monat, ein Tag oder eine winzige Viertelstunde? 

Vor der Kirche steht, inmitten duftender, blumendurchsetzter und bienenumsummter Gräser, die in diesem März bei dem feinen Wetter fast schon eine Sommerwiese bilden, eine Bank, auf der ich ab und an, vor allem am Wochenende, ein älteres Paar beobachten durfte, offenbar schon lange verheiratet, die sich dort niederließen um in einem der Bücher aus unserem Schrank zu blättern bevor sie es wie einen Schatz einpackten und langsam miteinander davonhumpelten. Hand in Hand, und niemals ein böses Wort gewechselt. Unglaublich, welche Rührung mein altes Bücherherz noch zu empfinden in der Lage ist, dachte ich bei mir.

Während der Woche hörte ich fast den ganzen Tag Kindergekreisch aus der nahegelegenen Schule oder vom gegenüberliegenden Kinderhort, nur übertönt vom stetigen Rollen des Autoverkehrs. Nicht sehr angenehm, aber Gottes Wege sind unergründlich und niemand hat einen Einfluß darauf, wohin das Leben einen trägt.

Eines Tages jedoch verstummte die unselige Kakophonie, mein altes Pärchen kam nicht mehr, und selbst am Sonntag blieb die Kirche leer. Was war geschehen? Wieder einmal ein deutscher Weltkrieg?

Das eine oder andere Auto fuhr nach wie vor die Straße entlang, auch eilte hier und da ein Fußgänger mit eingezogenem Kopf und scheuem Blick vorüber, die meiste Zeit jedoch herrschte grandiose Stille. Welche ich, ein Buch, das noch an die staubgesättigte Ruhe wahrhafter Büchereien gewohnt ist, natürlich sehr genoß. 

Ich hörte die Vögel singen, die Bienen summen, ein wunderbarer lautloser Frieden lag über allem - lediglich die Kirchenuhr erfüllte weiterhin unermüdlich ihre Pflicht und erinnerte jede Viertelstunde daran, daß die Zeit weiterlief. Man hätte es sonst wohl vergessen können und sich in der seligen Ewigkeit wähnen.

Wäre da nicht diese eine Frau gewesen, die fast jeden zweiten Tag kam um uns zu besuchen. Obwohl ich mich mittlerweile an meinem Platz wirklich wohlfühlte, erwachte doch bei ihrem Anblick jedes Mal die Hoffnung in mir, daß sie mich erwählen möge. Sie schien mir jemand zu sein, der Bücher zu schätzen wußte und sie pfleglich behandeln würde. Woran ich das zu erkennen glaubte? Nun, sie war anders. Wühlte nicht mit gierigen Händen und starrem Blick durch die Reihen, lediglich nach den neuen Büchern greifend und alles verschmähend was einen Stempel trug oder gar beschädigt war. Nein, sie schenkte jedem von uns ihre Aufmerksamkeit, besah sich den Umschlag, blätterte ein wenig hier oder da ... aber leider war ich niemals unter den Glücklichen, die in ihrer Tasche verschwanden und mit ihr nach Hause durften und ich war nach jedem Besuch seltsam niedergeschlagen. Wenn Bücher weinen könnten, hätten meine Nachbarn und ich nicht selten nasse Füße bekommen. Zurückweisung schmerzt auch ein altes Herz nicht unerheblich.

Andererseits gefiel es mir immer besser, einfach nur im Bücherschrank zu sitzen, völlig ohne Verpflichtungen, ohne sich in einem Büro die ständigen Telefonate und Brainstormings anhören zu müssen, ohne die Angst, von Kinderhänden zerfleddert und beschmutzt zu werden, ohne Gebrüll und Lärm, der meine arme Seele stets aufs Grausamste plagte.

Einfach nur dazusitzen, mit Aussicht auf die sonnenbeschienenen Pflastersteine des Kirchhofs die kaum mehr jemand betrat, nichts mehr zu denken, nichts mehr zu wollen, einfach nur zu sein.
Welch pure, ungetrübte Glückseligkeit ...





Sonntag, 19. April 2020

Hirnbrennen


Ich kann fliegen! Ich wußte nicht, daß ich fliegen kann! Wie das im Magen kitzelt - nur nicht nach unten sehen ... Leute ich fliege!!!

Eigentlich ist es ganz einfach. Immer der Nase nach. Und meine ist groß genug, da kann man nicht fehlgehen. Ähm, fehlfliegen.

Hatte ich mich schon vorgestellt? Manchmal bin ich ein bissl zerstreut, aber das bin ich schon immer gewesen, man gewöhnt sich daran. Macrophelia heiß ich. Nein, das ist nicht die, die sich volltrunken durch duftgetränkten Blütenregen wankend im Schlamm ertränkte. Klingt nur so ähnlich und führt oft zu Verwechslungen.

Wegen eines Mannes würd ich mich niemals umbringen, Männer sind Esel. Störrische, verfressene und stets begattungsbereite Esel. Wegen sowas bringt sich keine Frau um die was auf sich hält. Bei mir war's ein Unfall. Leider.

Eigentlich hatte ich schon noch ein Weilchen weiterleben wollen, auch wenn es in der letzten Zeit zunehmend ungemütlich geworden war auf der Erde. Aber vielleicht grad deswegen. Da wird man dann wenigstens mal gebraucht und vegetiert nicht so nutzlos in der Gegend umeinander. Wenn fast alles verboten ist, dann freuen sich die Leute auch wieder über Kleinigkeiten. Aber soweit sind wir dann doch nicht gekommen, die Leute und ich.

Ich mach einen romantischen Spaziergang im Mondlicht, neulich, so zwischen Stadtrand und Autobahn, in der sicheren Gewißheit, daß um die Zeit sicher niemand dort rumstreunt außer mir ... und whaaam ... auf einmal seh ich ein Moped vor mir aus dem Gebüsch schnellend herbeisausen und bevor ich noch auf die Seite springen kann macht's einen DUSCHER und das Ding geht in die Luft. Der Fahrer und ich natürlich mit. Blöd gelaufen.

Scheiß Bandenkriege. Münchner Norden halt. Erst drei Wochen zuvor hatte wer seinen Dealer in dessen Auto erschossen. Einfach so. Puffn raus und Bumm. Der Dealer muß aber auch ein fester Trottel gewesen sein, wenn er geglaubt hat, er kriegt einfach so sein Geld. Völlig freiwillig. Auf einmal. Naja Arroganz kommt vor dem Fall.

A propos Fall, ich muß ein bisserl aufpassen wo ich hinflieg. Sehr neblig heute. Aber hey, ich kann die Gedanken der Leute sehen! Ja krass. Die kleine verkniffene Frau da drinnen will die Polizei anrufen, weil es sie stört, daß da hinten am See zwei Jugendliche sitzen und Alkohol trinken? Weil sie schließlich auch keine Freude mehr haben darf im Leben und dann sollen sich die anderen gefälligst ebenfalls freudlos an die Gesetze halten? Ja hör mal alte Frau, wer sagt denn, daß du keine Freude mehr haben darfst??? Frag doch die Nachbarin, ob sie nicht mal ein Stück Kuchen mitessen mag, kleine Rebellion in Bayern! Sich einfach gegenseitig besuchen! Geht das? Ah, sie hält inne, offenbar kann sie mich hören wenn ich ihr dazwischendenke. Cool!

Nachbarin Zettel schreiben! Kuchen! Nix junge Leute vernadern!

Da, die Hand legt den Hörer wieder auf! Langsam schlurft die Frau in die Küche und ... jetzt seh ich nix mehr. Vielleicht blättert sie im Kochbuch? Stehen da auch Backrezepte drin? Ich kenn mich mit sowas nicht aus, ich glaub nicht daß ich jemals 'ne Hausfrau gewesen bin. In keinem meiner Leben.

So, das ist ja nochmal gut gegangen. Vielleicht sollte ich den Burschen da unten aber auch klarmachen, daß heutzutage bereits der Besitz einer Bierflasche ein Verbrechen darstellt, wenn man sie auf einem Bankerl im Freien trinkt, vor allem wenn noch wer dabeihockt.

Oh nein, die Kieberei ist schon da. Hat Oma doch angerufen? Nee, so schnell sind die nicht ... wahrscheinlich hat jemand anders ... die Deutschen sind wirklich so voll arg! Kein bissl aus der Übung gekommen seit damals.

Behäbig kommt der Polizist aus seinem Auto gekrochen, der Kollege bleibt drin, der Funk blökt, der Polizist denkt: 'Oh Mann, lernen die's nie? Sorglos andere Leute gefährden weil sie nix als Party im Kopf haben ... andererseits, warum soll man nicht auch ein bissl Spaß haben im Leben?'
Angststarr sitzen die beiden Jungs auf der Bank, blicken dem Polizisten entgegen, dieser lacht auf einmal freundlich und fragt: 'Na Kameraden, habt's für mich auch noch ein Bierchen übrig?'

Die beiden gucken erst ihn an, dann sich, dann wieder ihn. Fühlen sich veräppelt, fürchten einen Ausbruch. Der nicht kommt. Der Kollege bleibt im Wagen, brummelt ins Telefon: 'Hör mal Mama, ich arbeite! Nein, ich hab keine Ahnung wie das mit dem Guglhupfrezept von der Tante Anni war. Guck halt in der Truhe nach bei den alten Sachen, ja genau, am Dachboden!'

Der Polizist sitzt jetzt mit den Burschen auf der Bank und trinkt ein Bier. Aus Bayern. Weil's guad is. Und weil sich das so gehört. Buy local. Da sind sich alle drei einig. Ich freue mich und fliege weiter.

Haha, das macht Spaß! Die mit ihren Vorschriften, sakrosankt und unantastbar, die das tapfere Söderlein jeden Tag frisch erfindet, grad wie es ihm Freude macht. Sieben auf einen Streich, oder auch mal mehr. Na, dem werd ich in die Suppe spucken!

Quecksilbrig drehe ich ein paar lustige Salti und fege weiter, auf der Suche nach Vernaderern und Polizistenhirnen, die dringend bekehrt werden müssen. Kann schon sein, daß ich eines nicht allzufernen Tages dafür zur Rechenschaft gezogen werde. Ziemlich sicher sogar. Aber das ist es mir wert. So bin ich wenigstens nicht umsonst gestorben. Die Menschen können sehr wohl gut sein, wenn sie wollen. Davon bin ich überzeugt. Nur haben die meisten vergessen, was wirklich wichtig ist im Leben. Und ich werde sie erinnern. Weil ich es kann. Damit am Ende doch noch alles gut ausgeht. Glaube, Hoffnung, Liebe. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen!








Sonntag, 12. April 2020

Der Dialog


Was sagst? Ich versteh dich ganz schlecht. Scheiß-Empfang hast da unten, echt.

Ja, jetzt isses besser ... nee warte mal was heißt ich hätt dich  rausgeschmissen??? WER hat dafür gesorgt, daß du nicht für den Rest deines Lebens als behaarter, häßlicher kleiner Schmid durch die Gegend hinken mußt? 

Jajaja, weiß schon, cooles BDSM-Möbel damals, der Fesselsessel für deine Mutter, aber erinnere dich, warum du es gebaut hast - sogar SIE hatte dich gleich nach der Geburt rausgeworfen ... ja ok, wir reden nicht mehr drüber, paßt. Aber dennoch. Hättest es gut haben können bei uns. Daß die Engel dich so knubbelig fanden, sich nicht an dir sattsehen konnten und sich immer öfter um dich geprügelt haben daß die Federn flogen, anstatt ihre Harfen zu stimmen und mir Lobgesänge zu widmen, das wäre schon ein Grund für das Hausverbot gewesen. 

Was machst eigentlich mit den vielen Locken die man dir damals als Liebespfand zukommen ließ? Könntest sämtliche Fauteuils bei euch unten polstern damit ... andererseits, des fäut ur wauns anbrennt ... es STINKT SEHR wenn es ... ja eh, genau, darum geht's, nämlich daß du den Menschen dann auch noch das Feuer gebracht ... nein, laß mich ausreden!!! Es geht hier nicht um das Feuer, auf dem sie ihre Würstl braten. Sollen sie. Ich hab mein Manna auch gern paniert und gebraten, warum nicht. Nein, nicht mit Kren, mein Magen, waßt eh, ich nehm immer Preiselbeeren ... ja, das geht auch. Aber zurück zum THEMA!

Es geht mir um das INNERE FEUER. Der Gottesfunken, den jeder meiner Kreationen in sich trägt und den sie in sich finden sollen um wirklich in Liebe Mensch sein zu können. Echt, ehrlich und ... naja, Dings halt. So genau kann ich noch nix sagen dazu, hatte ja noch keiner 'ne wirkliche Erleuchtung auf Erden. Ist in der Desoxyribonukleinsäure halt nicht vorgesehen, muß erst entstehen. Mittels genau dieses göttlichen Funkens. Dafür gibt's kein Handbuch, muß man einfach machen. Wie beim Kuchenbacken. Die besten Kuchen kriegst hin, wenn du dich nicht an das Rezept hältst. Woher ich das weiß? Nona, bin ich allwissend oder ned?

Und das hast mir sauber durcheinandergebracht. Viel zu früh. Und ich hab jetzt die Hackn damit. Die wissen, da is was, aber du immer mit Mediamarkt und Möbel Leiner ... 

Wirklich guter Versuch, jetzt mit dem Virus. Allerhand. Aber halt nicht mit mir, mein Freund. Am Ende wird alles gut, da kannst dich in den Schwanz beißen. Zugegeben, es kommt mir sehr zupaß, daß Ostern vor der Türe steht. Dieses Mal wird es klappen! Da wandelt ER dann nicht mehr unerkannt, sie werden ihn finden, ohne daß ER was sagen muß und wieder in der Psychiatrie verschwindet wie jedes Jahr. Wird eh immer schwieriger, ihn da auch wieder rauszubekommen ohne Schlagzeilen.

Heutzutage sagen sie auch nicht mehr 'Bist du es oh Herr?' und verlangen Beweise, nee, da läuft das total daneben ab, mehr so in die Richtung: 'Sachma, kenn' wir uns? Kommst mir irgendwie bekannt vor, ne? Wolln wir ein' trinken gehn?'

Und dann trinken sie und trinken ... aber mehr passiert nicht. Der 'Jünger' ist am Ende ang'soffen, hat am nächsten Morgen alles vergessen und stierlt müd im Kaffeesatz umeinander. Und ER hat wieder mal die Rechnung zahlen müssen, weil das mit dem Wasser-in-Wein-verwandeln kannst auch nicht mehr bringen, viel zu auffällig.

Deswegen hab ich dieses Mal alle Kneipen zusperren lassen. Weltweit. Da geht nix mehr mit deppert Ansaufen beim Wirten und Party im Park ist auch verboten, hehe.

Die Menschen werden sich besinnen müssen, allein deswegen weil es kaum mehr Ablenkungen gibt. Auch wenn sie ihn nicht erkennen, sie werden ihm endlich zuhören, sie werden singen, werden lachen, werden 'DES GIBTS NED!' schreien, werden endlich kapiern, worum sich alles ... ah ... sorry. Deppertes Internet. Macht mich auch schon ganz wuschig. 

Was sagst? Elmsfeuer in Tirol? I sog's glei I woas ned! Ja, Seilbahn, Seilbahn, Seilbahn ... hat sich alles erledigt erstmal. Gib dir keine Mühe, du schaffst es nicht. Ich werde gewinnen. Äh ... um was ging's eigentlich gleich nochmal???







Sonntag, 5. April 2020

Es hat sich ausgelinzt



'Sie wissen, warum Sie hier sind, Herr Nyfzgen?'
'Nein', antwortete ich betroffen. 'In der Vorladung stand lediglich Ort und Uhrzeit, kein Grund.'
'Und Sie können es sich auch nicht denken? Sie sind doch sonst immer so schlau, quatschen die Leute voll und verbreiten Ihre Ansichten in sämtlichen Foren?'

Mir wurde flau im Magen. Hatten die mein Telefonat mit Hanna neulich abgehört, in dem ich mich ausführlich über den Staat und dessen neuesten Machenschaften ausgelassen hatte?

'Sie haben wirklich keine Ahnung Herr Nyfzgen, was? Nun, so lassen Sie mich zur Sache kommen.'
'Ich bitte darum ...' entgegnete ich schwach.

'Wie Sie sich erinnern, hatten Sie sich damals geweigert, diese App auf Ihrem Handy zu installieren, mit deren Hilfe wir den Lockdown vorzeitig beenden konnten und die Leute ihr gewohntes Leben zumindest teilweise wieder aufnehmen konnten. Nicht sehr sozial von Ihnen, aber gut. War ja freiwillig.'

Sein Telefon begann in diesem Augenblick auf der funkelnd polierten Schreibtischplatte umherzutanzen, irritiert blickte er aufs Display und bellte hinein: 'Ich hab Ihnen doch gesagt Fräulein Schneider ... WAS??? Er hat WAS??? Gut, stellen Sie durch ...'
'Wenn Sie mich einen Augenblick entschuldigen,' rief er über die Schulter in meine Richtung, während er bereits die Klinke seiner Bürotüre in der Hand hielt, 'bin sofort wieder bei Ihnen.'

'Kann's kaum erwarten', murmelte ich vor mich hin und fragte mich, zum x-ten Male, was denn der Beamte von mir wollen könnte. Amt für Verfassungsschutz. War ich ein Spion? Nein. Hatte ich irgendwas mit Terroristen oder so zu tun? Nein. Was zum Henker ...

Damals, im Frühsommer vorigen Jahres, waren die Bürger nach Wochen des Eingesperrtseins langsam aber sicher an ihre Grenzen gelangt. Selbst die, die noch Arbeit hatten, also eh nicht den ganzen Tag daheim zu hocken hatten, riefen immer lauter nach einem Ende des Lockdowns. Auch wenn ich nicht unmittelbar betroffen war, denn mein Job im Krankenhaus war sicher und ich war sowieso dezidiert misanthropisch veranlagt, war es auch für mich kein Spaß gewesen, auf einmal niemanden mehr treffen zu dürfen. Es ist immer ein Unterschied, ob man freiwillig auf die Gesellschaft anderer Leute verzichtet oder ob man den Verzicht von oben diktiert bekommt.

Ins Internet zu gehen war bereits nach kurzer Zeit keine gangbare Alternative zur persönlichen Konversation mehr, da sich dort genau die Leute tummelten, die im wirklichen Leben nichts zu sagen hatten, nun dafür aber alles besser wußten und andere bei jeder Gelegenheit aufs Heftigste beschimpften. Nicht gut, wenn die Nerven sowieso schon blank liegen.

Auch draußen war der immerhin noch erlaubte Spaziergang keine Freude mehr. Die Menschen machten weite Bögen umeinander herum, niemand schaute den anderen mehr an, als ob Blicke bereits töten könnten, jeder hastete mit gesenktem Kopf durch die Natur und war froh, wenn er seine Türe wieder hinter sich zumachen und tief Atem holen konnte. Die Stay-at-Home-Fraktion belauerte ihre Umgebung auf Schritt und Tritt, keine fünf Minuten konnte der Spaziergänger mehr auf einer Bank sitzen ohne daß jemand die Polizei anrief und diesen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz meldete. Und wehe jemand bekam Besuch. Da konnte man sicher sein, daß nach spätestens zehn Minuten ein Beamter vor der Türe stand, den ausgefüllten Erlagsschein bereits in der Hand. Paradoxerweise waren es genau diejenigen, die am lautesten nach Solidarität schrien, die dann ganz vorne mit dabei waren wenn es darum ging, andere Menschen hinzuhängen. Wir alle müssen uns an die Regeln halten, lautete die Parole. Da kannte der deutsche Bürger nix. 

Der Himmel über unserer Kleinstadt war trübe geworden, die Vögel ungewöhnlich still. Der Frühling verhallte weitgehend unbemerkt.

Ostern war es besonders schlimm. Erklär mal einem Sechsjährigen, wieso er nicht, wie im Vorjahr, mit den anderen Kindern Eier suchen gehen durfte. Oma weinte am Telefon und konnte nicht begreifen, warum man sie nicht mehr besuchen kam. Das Wort Pandemie sagte ihr nichts, sie wollte ihren Enkel sehen, solange dies noch möglich war! Meine Briefe konnte sie schon lange nicht mehr lesen, die Augen wollten nicht mehr so recht, und die freiwillige Helferin, die ihr bisher ihre Post erledigt und auch mal aus einem Buch oder der Zeitung vorgelesen hatte, durfte aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht mehr zu ihr. Bald darauf ist sie aus Gram gestorben. Die Beerdigung fand im kleinsten Kreise statt, der Mindestabstand wurde eingehalten, der Leichenschmaus fiel natürlich aus. Bedrückt gingen wir unserer Wege und fragten uns: Wie lange noch?

War es verwunderlich, daß ich voller Wut war auf diese Zustände, die meiner Meinung nach von gewissen gierigen Industriellen herbeigeführt und von der Politik aus Eigeninteresse billigend in Kauf genommen wurden? Die Duldsamkeit, mit der die meisten anderen diese einschneidenden Restriktionen über sich ergehen ließen fand ich abnormal, die Zahlen, mit denen sie uns in einer Tour bewarfen waren unsauber hochrechnet, die 'Fakten' erschienen immer unglaubwürdiger, Mahner wurden als Verschwörungstheoretiker und Leugner bezeichnet und ausgebuht. Es war zum Ausrasten. Was ich gelegentlich auch tat, ich gebe es zu.

Jedoch litten bald alle unter den Umständen, jeder auf seine Weise - und so hatten es die Menschen natürlich wundervoll gefunden, endlich wieder ohne Begründung und Restriktion ihre Wohnungen verlassen zu dürfen, ungehindert zum Friseur, ins Theater und ins Museum zu gehen, oder gar spontan in ihre Autos oder den Zug zu steigen zu um einen kleinen Ausflug in den Biergarten zu machen. Auch wenn das Oktoberfest fix abgesagt worden war, a Moß ging alleweil, und das war die Hauptsache. Prost alleweil und no aane auf die Madln mit die festn Wadln!

Die Lockerung der Ausgangsbeschränkung erfolgte allerdings unter einer Bedingung: Nur wenn mindestens 60% der Bevölkerung sich bereit erklärten, sich diese neue App aufs Handy zu laden, mittels derer jederzeit überprüft werden konnte, wo sie sich zu welcher Zeit aufgehalten und mit wem sie Kontakt gehabt hatten, war man bereit, ihnen ihre Freiheiten wiederzugeben.

Daß auf einmal keine Rede mehr war von den vielen Tausend Toten, die unbeschränktes Umherlaufen der Bürgerschaft unweigerlich zur Folge haben würde, und von der Verantwortung die wir alle mittragen müßten und aufgrund derer man auf KEINEN Fall den Lockdown vorzeitig beenden dürfe, fiel niemandem auf. Einfach App drauf und raus in die Freiheit, juchhee!!!

Der Beamte, der sein Telefonat am Gang inzwischen beendet hatte, riß mich aus meinen Gedanken, indem er sich jovial mir gegenüber auf seinen Sessel plumpsen ließ und mich mit blitzenden Zähnen angrinste:
'So, Herr Nyfzgen, wo waren wir stehengeblieben? Richtig, die App. Sie hatten doch wohl nicht geglaubt, daß wir uns damit zufriedengeben würden, die Überwachungs-Software nur bei den Leuten zu installieren, die 'nichts zu verbergen' hatten? Grad die anderen waren ja interessant. Haben Sie also garnicht bemerkt, Sie kleiner Klugscheißer, daß wir beim nächstbesten Update auch bei Ihnen ein kleines Spiönchen reingedonnert haben, was? Tja, für Spionage sind wir ja die Experten, hihihi ...'

Mann, hatte der sich jetzt am Klo 'ne Nase gegeben oder was war auf einmal los mit ihm? Der kriegte sich ja vor lauter Heiterkeit nicht mehr ein.

'Und bevor Sie jetzt dann nach Hause marschieren', fuhr er grinsend fort, 'und ihr Handy entsorgen, lassen Sie sich gesagt sein: Das nutzt nix. Wie sie ja bereits beim Kauf ihrer vorigen SIM-Card auf sämtlichen Kanälen erbost kundgetan hatten - jaja wir schreiben alles mit - ist der Kauf einer solchen Karte nur unter Vorlage des Ausweises möglich. Welcher kopiert und eingeschickt wird. Noja, und schwupps, schon ist die Software auch auf dem neuen Handy drauf. Sie gehören übrigens zur blauen Kategorie. Das ist noch nicht so wild wie violett, aber schon kurz vor bedenklich. Und somit kommen wir zu dem Grund, warum ich Sie heute hier vorgeladen habe. Nicht, um Sie zu warnen. Da hätt ich viel zu tun, ich wollte mir einfach nur Ihr dummes Gesicht anschauen wenn Sie hören, daß Sie uns trotz allen Widerstandes nicht auskommen können, haha köstlich, man gönnt sich ja sonst nix. Nein, ich habe Sie hierherbestellt um Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß Sie ihre Punktzahl für dieses Jahr fast erreicht haben und wenn Sie sich nur noch das kleinste Bissl zuschulden kommen lassen dann ... aber hallo! Da brauchen Sie jetzt kein arrogantes Gesicht zu machen, Herr Oberschlau. Ve haff our vays ... und wer nicht spurt der muß fühlen.

Und ich red jetzt nicht von Ihren dummen Bemerkungen im Internet. Das kratzt uns wenig, wir notieren das zwar aber im Grunde ist es uns egal was Herr und Frau Bundesbürger von uns denken. Was uns aber ganz gewaltig stört, das sind so Sachen wie Kontakte zu Widerständlern in anderen Ländern. Netzwerken und so. Wir wissen ganz genau, wen Sie im letzten Jahr wiederholt besucht haben. In Linz. Ich verwarne Sie hiermit höchst offiziell. Entweder Sie brechen diesen Kontakt auf der Stelle ab oder Sie werden die Konsequenzen zu tragen haben. Kapiert, Herr Oberschlau?'

Kontakte in Linz? Redete dieses Nachtschattengewächs von meinem Kumpel, den ich seit mindestens zehn Jahren kannte? Meinem Kumpel Andreas, mit dem ich nichts Gefährlicheres tat als über den Teich in seinem Garten zu plaudern und dumme Witze per WhatsApp auszutauschen?

'Ich sehe, Sie haben keine Ahnung', plauderte das Nachtschattengewächs heiter weiter. Ihr Kumpel Andreas ist nicht das Problem sondern seine Frau. Und nachdem Sie von deren Machenschaften offenbar keine Idee haben, werde ich Sie auch nicht weiter aufklären. Der Bürger muß nicht alles wissen, nur zu gehorchen hat er. Unser Gespräch ist hiermit beendet Herr Nyfzgen, Sie wissen was zu tun ist: Es hat sich ausgelinzt, zumindest was diese beiden da oben in ihrem hübschen kleinen Häuschen betrifft. In den Zoo oder zum Zwergerlschneuzen dürfen Sie natürlich weiterhin, ich sehe, Sie haben die Tierpatenschaft für eine der Ziegen übernommen, wie herzig. Ich wünsche Ihnen einen guten Tag und auf Wiedersehen.'