Sonntag, 25. April 2021

Vom Regen in die Traufe



Arif war stinkig. Extrem stinkig. So richtig, richtig sauer. Nach längerer Diskussion hatte er letztendlich doch dem Plan der Herren im Anzug zugestimmt. Ehre und Charakter hin oder her - immerhin war er noch relativ jung, grad einmal Mitte vierzig, und auch sonst gut beinand, warum sollte er sein Leben wegwerfen, wenn noch soviel mileage drin war im body? Und ganz ehrlich, so richtig Lust zum Sterben hatte er sowieso keine gehabt. Man mußte schon sehr couragiert sein um den Tod zu wählen, sei dieser noch so glorreich, wenn einem praktisch in letzter Minute ein verlockender Ausweg geboten wurde. 

Mit seiner pompösen Rede von Ehre und Stolz hatte er sowieso weniger sich selber erklären als hauptsächlich Miranda loswerden wollen, seine Anwältin, die sich schon SEHR an ihn geklammert hatte. Auch wenn sie es gewesen war, die ihm den Kontakt zu seinen geheimnisvollen Rettern letztendlich verschafft hatte, bedeutete das nicht, daß er sich aus Dankbarkeit von ihr mit Haut und Haar verzehren lassen mußte. Da hätte er ja fast lieber die Folter in seinem Heimatland vorgezogen, die dauerte wenigstens nicht lebenslang.

Also hatte er das Theater mitgespielt, sein Bettlaken in kunstvoller Technik zu halbwegs reißfesten Stricken geformt und hernach ausgiebig seinen Sessel drangehängt, damit die Ballistiker hinterher authentisch langgezogene Fasern finden konnten. Wenn auch keine Leiche, denn die hatte der geschickt hineingeschmuggelte 'neue Wärter' dann doch sehr rasch ins Spital bringen lassen. Der übliche Polizist vor der Türe war ebenfalls von 'der Truppe', so kam er schlußendlich hier im 'safe house' an, um auf die neuen Papiere zu warten ... und auf den Termin beim Schönheitschirurgen.

Aber das zog sich. Die Fotos für den Ausweis konnten schließlich erst NACH dem Eingriff gemacht werden. Und da mußte man drauf warten, wie das in Österreich nun einmal üblich war. Auch wenn man vom Geheimdienst war. Draußen bestes Wetter, im Häfn hätte er wenigstens eine Stunde rausdürfen über Mittag, aber hier ... nichts. Niente. Nada.

'Waßt eh, es ist besser wenn dich niemand sieht, scheiß an die Kirschblüte, die gibt's nächstes Jahr eh wieder, jetzt ist es wichtiger, daß ned no in letzter Minutn wos danebngeht! Stö da vua die Miranda kummt voabei und sicht di!' Schaudernd mußte Arif dem Mann recht geben. Dann doch lieber sich indoors fadisieren.

Leicht irritiert sah sich Arif in der armseligen Bude um, in die man ihn gesteckt hatte. Offenbar eine sonst als Ferienwohnung genutzte Immobilie. Typisch österreichisch eingerichtet. Fesche Holzsesseln um einen riesigen Eßtisch gruppiert, Servietten mit Edelweißmuster, der obligatorische röhrende Hirsch an der Wand, und im Schlafzimmer ein Riesenbildnis der Mutter Gottes wie sie segnend die Hände über die Schlafenden hielt.
Arif hatte bei dem Anblick sofort beschlossen, auf der Couch im Wohnzimmer zu nächtigen.

Nicht, daß er nicht offen gegenüber anderen Religionen gewesen wäre. Als Kosmopolit sah er das eh alles nicht so eng, aber er hatte ein Problem mit der Scheinheiligkeit vieler christlicher Europäer. Einerseits sich die Toilette von der mazedonischen Putzfrau saubermachen lassen oder sich zum Shoppen in einer von nubischen Tagelöhnern getragenen Sänfte schaukeln lassen, es völlig in Ordnung finden, diese Leute mit einem Mindestlohn abzufinden, wenn überhaupt, und sich noch großartig vorkommen wenn man ihnen ab und an was Altes schenkte, das man selber nicht mehr mochte ... aber wehe jemand fand den Sarotti-Mohren süß. Was für ein elender Rassist der doch war!!! Mohr sagt ma ned!!! Empörung hoch drei!!!

Grad hier am Land gab es Leut, die waren so hohl, die gäben wunderbare Orgelpfeifen ab. Einfach nebeneinander an die Empore nageln und aus. Brauchst keine Spenden mehr einsammeln. Die Katholischen ham eh gern soviel gequälte Leichen wie möglich in ihren Kirchen, do kamat's auf a paar mehr oder weniger ned drauf an, oder?

Plötzlich hörte er, wie von der Wohnung nebenan die Türe aufgeschlossen wurde. Neugierig linste er durch den Türspion, sah direkt in ein breit grinsendes Frauengesicht und fuhr erschrocken zurück. Kreizdeifi! Mußte die genau jetzt hergucken? Hatte sie ihn bemerkt? 

Noch bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, erscholl seine Türklingel. Ja bestens. Was sollte er jetzt tun? Die gute Frau hatte gesehen, daß jemand zuhause war, totstellen war also nicht. Im Spiegel erblickte er sein fahles Gesicht. Jetzt war guter Rat teuer.

Beherzt griff er zur Klinke und öffnete die Türe einen Spalt. 'Ja bitte?', fragte er, um Freundlichkeit bemüht. 'San Sie der neiche Nachbar?', erscholl es von draußen? Weiterhin breit grinsend winkte ihm eine gut gebaute Dame mit extrem kurzen Haaren, er schätzte sie auf Anfang 50, zu, und sprach dann weiter, ohne auf seine Antwort zu warten. Denn wie ein Handwerker sah er wirklich nicht aus.
'Ich bräucht grad amal Ihre Hilfe, kanntn Sie kurz mit ummekommen? Ich krieg den Kasten allein ned von der Wand, mir is was hinten runterg'fallen, da komm I sonst ned hin.'

Was sollte er machen? Die Dame im Treppenhaus stehen lassen? Damit hätte er sich erst recht verdächtig gemacht. Also verließ er, einen Seufzer unterdrückend, seine Wohnung um ihr hinüber in die ihrige zu folgen. Bereits beim Eingang traf ihn beinah der Schlag. Wie sah es denn hier aus? Überall standen Kisten mit wild durcheinandergeworfenem Zeug drin, Kleider, Puppen, Stoffetzen, Werkzeug ... und am Boden stapelten sich Büchertürme. Vorsichtig folgte er der Frau in eins der Zimmer, die vom Hausflur abgingen. Auch hier sah es nicht besser aus. Wild durcheinandergeworfene Kleidung und jede Menge Büchertürme bedeckten den Boden und ließen kaum mehr Platz, um die Füße dazwischenzusetzen. Man mußte sich, so wie man sich im Japangarten von Fliese zu Fliese über den Bach hangelt, hier von freiem Fleckchen zu freiem Fleckchen hangeln. 

Und der Staub! Überall lag fingerdick der Staub! Nachdem er der Frau geholfen hatte, ihren Kasten von der Wand weg und nach erfolgreichem Aufklauben des entschwundenen Schriftstücks wieder zurechtzurücken, konnte er sich nicht mehr beherrschen, denn auch unter dem Schrank hatte es ausgesehen, frage nicht.

'Vom Saubermachen halten Sie nicht gerade viel, oder? Ab und zu mal Staubwischen wäre kein Fehler!' konnte er sich einen leisen Tadel nicht verkneifen.
Lachend drehte die Nachbarin sich um: 'Ja wos moanst! Des kommt von den Zwergenbriefen.'
'Von den Zwergenbriefen???'
'Ja genau. Die san mit Zaubertintn g'schrieben, die kannst nur gaaanz kurz lesen dann verschwindet die Tintn und der gesamte Brief zerfällt zu Staub. Also wannst viel Post kriegst, dann kommst mit dem Saubermachen nimmer nach. Man hat ja auch noch was anders zum tun, oder? I bin Künstlerin, da muß ich der Inspiration folgen und ned mit dem Putzfetzn umeinanderfeudln.'

Arif fehlten die Worte. Und das kam nun wirklich extrem selten vor. Er schlug die fröhlich vorgebrachte Einladung auf eine Tasse Tee entschieden aus (wer weiß ob es in diesem Haushalt überhaupt eine saubere Tasse gab?) und schaute, daß er in seine Wohnung zurückkam.

Die spinnen, die Österreicherinnen. Sobald er seine neuen Papiere hatte, würde er sich schleunigst vom Acker machen. Am besten rief er gleich mal seinen Kontakt an um ihn dringend darum zu bitten, ihm einen tschechischen Ausweis basteln zu lassen. Dann würde er sich irgendwo hinter dem Riesengebirge verstecken und auf seinen ersten Einsatz warten. Und sehr, sehr hoffen, daß der nichts, aber auch GARNICHTS mit irgendwelchen abgedrehten Frauen aus Österreich zu tun haben würde.

Linz, 22.7.16



















Sonntag, 11. April 2021

Alles eine Frage der Ehre



'I killed the wrong man!'

Postenkommandant Huber starrte mit offenem Mund auf den Mann, der sich vor dem Schutzglas aufgebaut hatte und ihn seinerseits anblickte ohne mit der Wimper zu zucken. Hatte er richtig gehört? Der Mann hatte sich soeben des Mordes bezichtigt? Und wieso am falschen Mann? Vor allem: Was sollte er jetzt tun? Englisch war nicht seine starke Seite und mit Mördern hatte man hier in Kaumberg praktisch keine Erfahrung. Nicht einmal in St. Pölten. Gemordet wurde, wenn überhaupt, in Wien. Großstadt und so. Aber doch nicht in seinem beschaulichen kleinen Dörfchen, unterhalb der Araburg, wo die Frau des Feuerwehrhauptmannes mit Schwung die Gemeindebibliothek betrieb und ansonsten gerne und gut für das leibliche Wohl der Feuerwehrleute und auch der Polizisten sorgte, denn der Feuerwehrhauptmann war gleichzeitig der Polizeichef.

Aber ans Essen durfte Huber jetzt nicht denken, er hatte einen Mörder vor der Scheibe stehen, und er konnte nicht einmal seinen Chef rufen ... der war nämlich grad daheim ... beim Essen!

'Are you ... äh ... do you have ze Puffn, ze pistol wis you?', wagte Huber sich an die Befragung des Verdächtigen.
Ein Muskel zuckte leicht an dessen linker Wange, ansonsten blieb seine Miene unbewegt als er antwortete: 'My friend, do not fear me, I am a broken man. I killed the wrong target. I have no weapon with me now. Please arrest me, I must atone for my sin.'

Mit diesen Worten streckte er Huber seine Unterarme hin, praktisch als Aufforderung, ihm die Handschellen anzulegen.
Mit Todesverachtung wagte sich dieser aus seinem Kabuff heraus und verbrachte den Mann ordnungsgemäß in die Arrestzelle. Aber wie sollte er jetzt die Personalien in das offizielle Protokoll übernehmen? Der mutmaßliche Täter hatte den Fragebogen auf arabisch ausgefüllt!!! Und ihn danach, dieses Mal mit einem offensichtlichen Grinsen im Gesicht, durch die Gitterstäbe gereicht.
Huber konnte sich des Verdachts nicht erwehren, daß man sich über ihn lustig machte. Genervt und gestreßt begab er sich wieder auf seinen Platz und sehnte, zum ersten Mal seit seiner Zeit als Lehrling in Traiskirchen, die Rückkehr seines Vorgesetzten herbei.

Zwei Tage später im Innenministerium von Karl dem Großen. Eine Frau im edlen Kostüm und zwei Männer im Anzug an einem Besprechungstisch sitzend, in eine hitzige Debatte verwickelt.

Einer der Männer, noch immer außergewöhnlich freundlich, wandte sich erneut an die Frau: 'Schauen'S, es ist aso: Ihre private Meinung in allen Ehren, aber umbrocht is umbrocht, und des geht ned. Ned bei uns in Österreich. Daham kennan die Tschuschn mochn wos woin, oba ned bei uns, heast!'

'Ich habe Ihnen doch gerade erklärt,' echauffierte sich die Frau, 'daß es sich bei dem Getöteten um ein übelstes Subjekt gehandelt hat, der seine Frau böswillig unterdrückt und mißhandelt hat. Dafür sollen wir den Mann jetzt bestrafen? Daß er die Welt von so einem ... ach was Menschen, von so einem Monster befreit hat? Außerdem hat er sich selber gestellt, wir wären ihm doch sonst nie daufkommen. Never ever. Der Mann hat Schneid, forgive the pun, aber wie der mit dem Messer umgehen kann, ich bin begeistert! Den können wir doch an vorderster Stelle einsetzen! Was für eine Verschwendung, solch einen Mann lebenslänglich einzusperren oder ihn gar an den Feind zurückzugeben, wo man ihn lediglich zu Tode foltern wird.

Ich wiederhole hiermit meinen Antrag, diesem Mann eine neue Identität zu verschaffen und ihn dem Heeres-Nachrichtenamt zuzuführen. Spricht perfekt Englisch, Arabisch und auch Deutsch, ist bestens ausgebildet im Nahkampf, und vor allem: hervorragende Manieren! Beherrscht sogar den Handkuß.'

'Frau Magister, bei allem Verständnis, aber auch wenn ein Mörder den Handkuß beherrscht, bleibt er ein Mörder. Do foaht die Eisenbahn drüber. Sie können ihm ja einen Liebesbrief schreiben, wie dereinst die Damen dem Herrn Unterweger, aber wir können den Mann doch jetzt nicht in unsere Reihen aufnehmen, nur weil er Ihnen g'foit! Wo kamat ma denn do hin wenn a jeder seine Günstling bei uns einführn woitat!'

'Wir wollen keine überstürzten Entscheidungen treffen,' beschwichtigte der zweite Mann den Aufgebrachten. 'Lassen Sie uns die Sache einmal überschlafen, wir treffen uns morgen noch einmal, selbe Zeit, selber Ort, und ich werde mir den Burschen zwischenzeitlich einmal ansehen, warum nicht. Anschaun kost nix. Habe die Ehre, Frau Magister, Herr Kollege, auf Wiederschaun!'

Zwei Tage später in der Justizanstalt St. Pölten. Besucherraum. Arif saß stolz aufgerichtet auf seinem unbequemen Plastiksessel und sah der Anwältin fest in die Augen: 'Ich bleibe bei meiner Aussage. Ich werde meine Strafe annehmen wie ein Mann. Ich hatte das Gebäude mit der Absicht betreten, eine andere Person zu töten, es handelt sich um eine bedauerliche Verwechslung. Meine Organisation wird die Konsequenzen ziehen, ich werde mich deren Entscheidung beugen. Ich habe versagt.'

'Aber Arif! Denk doch was wir für ein aufregendes Leben zusammen hätten wenn du mein Angebot annehmen würdest! Du wärst ein romantischer Held und ich deine Marian, du wärst ein Künstler, ein Dichter, der Erschaffer eines völlig neuen Zeitalters und ich deine Muse! Arif ich bitte dich, bei allem was dir heilig ist, wirf das doch nicht einfach weg! Bedeute ich dir denn garnichts??'

'Verzeih mir Miranda, du meinst es nur gut, ich verstehe dich und ich erkenne an, wie schwer es einer starken Frau wie dir fallen muß, sich so zu erniedrigen vor einem Mann. Jedoch: My answer is no. Es ist eine Frage der Ehre.'

'Ehre, Arif? EHRE??? Deswegen wirfst du unsere Liebe und dein Leben so leichtfertig weg? Nur weil du den falschen Typen abgeknallt hast und dabei doch den richtigen erwischt hast? Ich mein, das eigentliche Opfer kann ja immer noch wer anders ... ich BEGREIFE dich einfach nicht!'

'Ein clash of cultures liebe Miranda. Bitte mach es mir und dir nicht schwerer als es unbedingt sein muß,' erwiderte der Mann und erhob sich steif aus seinem Sessel.
'Gehe nach Hause und studiere Arthur Schnitzler, vielleicht kannst du dann annähernd begreifen, warum ich so handeln muß. Leb wohl Miranda ...'

Mit diesen Worten wandte er sich ab, gab dem wachhabenden Beamten ein Zeichen und, ohne sich noch einmal umzudrehen, verließ er hocherhobenen Hauptes den Raum, jeder Zoll der stolze Wüstensohn, während Miranda noch lange wie erstarrt dasaß bis der Beamte sie grummelig aufforderte, die Anstalt zu verlassen, die Besuchszeit sei vorbei. Sie wußte, ihr Leben würde ab jetzt nur noch in Monochrom ablaufen, mühsam ratternd wie ein kaputter alter Film. Farblos, tonlos, freudlos.

Zwei Tage später, die Frau des Kaumberger Polizeichefs goß sich gerade ihr abendliches Glas Prosecco ein, tat ihr Mann plötzlich einen so lauten Pruster über seiner Zeitung, daß sie zusammenzuckte und eine nicht unbeträchtliche Menge des kostbaren Nasses danebengoß.

'Heast Tonerl, wos is denn? Hod's an neichn Dodn gehm? Oba des wissatn mia doch ois Ersta, oda ned?'

'Der Araber, kannst dich an den Araber erinnern mit dem unser Huber so ein G'frast g'habt hat, weil der so getan hat, als ob er kein Deutsch könnt und der Huber is bald verzweifelt mit ihm? Du der hat sich in seiner Zelle in Pöltn drüben aufg'hängt. Frag mich bloß womit. Des san schlaue Hund, die Araber,von denan kanntn mir no wos lernan ...'





Sonntag, 14. März 2021

Alles Anton, oder was?




Vorigen Montag, ich hatte Urlaub und mir soeben eine Sitzung bei meiner Lieblingstherapeutin gegönnt, durchquerte ich mit der Kamera um den Hals und einem Lächeln im Gesicht ein Wohnviertel im Süden Dachaus. Ich war unterwegs in Richtung Schinderkreppe, einem Naherholungsgebiet, von dort wollte ich am Waldschwaigsee vorbei in Richtung Karlsfeld wandern und dabei den milden Sonnenschein genießen. Den obligatorischen Besuch im Dachauer Hofgarten hatte ich bereits absolviert und einige entzückende Blumenbilder geschossen. Was für ein herrlicher Tag!

Als ich soeben beim Postkasten über die Straße wollte und mich nach links und rechts nach etwaigen entgegenkommenden Autos umschaute, sah ich etwas weiter vorn einen Mann aus einer Seitenstraße herauskommen. Gerade noch marschierte er aufrecht mit der Tasche in der Hand an einem Baum vorbei, im nächsten Moment lag er am Boden. War er über eine Baumwurzel gestolpert? Hatte er sich was getan? Weit und breit war niemand zu sehen, also näherte ich mich unsicher und fragte, ob er sich verletzt hätte oder ob es wieder ginge?

'Ich komm nimmer auf,' sprach's dumpf von unten. 'Ich hab eh ein wehes Knie ...'
'Achja, das kenne ich', antwortete ich mitfühlend seufzend, und nachdem wir eine Zeitlang vergebens probiert hatten, ihn wieder auf die Beine zu stellen, indem er sich an mir festklammerte und ich total feste an ihm gezogen hab, setzte ich mich neben ihn auf den Boden und zeigte ihm, weil wir das mal in einem Kurs in der Arbeit gelernt hatten, wie man aufstehen kann wenn man alt ist. Aber auch das hat nicht geklappt, eben wegen des Knies.

Obendrein, das hab ich recht schnell gemerkt, war er ein ein Tschecherant. Man roch deutlich, daß er sich entweder am Abend zuvor oder bereits in der Früh ordentlich einen genehmigt hatte. Ich kannte das ja von Sigi, meinem ehemaligen Mann, und dessen Bruder - welche inzwischen beide die Gänseblümchen von unten hochschieben. Obwohl - bei Sigi bin ich mir da nicht so sicher, dem trau ich eher zu, daß er noch extra dran zieht.

Nun war guter Rat teuer. Der arme Mann krebste immer noch auf allen Vieren am Boden umeinander und ich wußte nicht mehr weiter.

In diesem Augenblick bog ein Auto in die Seitenstraße ein, an deren Anfang wir uns befanden, ich lief armwedelnd drauf zu, der Fahrer hielt auch brav an und kurbelte mit fragendem Gesichtsausdruck die Scheibe hinunter. Ob er mir helfen könnte, fragte ich, der alte Mann hier sei gestürzt und ich könne ihn alleine nicht aufheben. Gut, meinte er, mich argwöhnisch fixierend, aber Sie müssen schon auch mithelfen! (Wahrscheinlich hatte er gedacht, ich will ihm das Auto klauen? Wenn der wüßte ... ich hab nicht einmal einen Führerschein.)

Ja eh, sagte ich - der hilfreiche Herr stieg also aus, fragte erst einmal, denn als Autofahrer hat man ja einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht der alle Facetten potentieller Unfallfolgen abdeckt, ob sonst alles soweit in Ordnung sei oder ob irgendwo Schmerzen aufgetreten seien? Nachdem dies von unten verneint worden war, packte er kräftig zu und bald stand unser Schützling wieder aufrecht, schwankte aber erheblich. 

Unser Retter meinte: 'Na, Sie werden mir gleich wieder umfallen!' Der fröhliche Zecher: 'Ah naa, I fall nimmer um!' 'Hm, lehnen Sie sich doch besser noch eine Weile an den Baum da, bevor Sie weitergehen.'

Der Alte schmunzelte, er hätte sich eh schon an den Baum gelehnt gehabt, aber irgendwie sei er dann umgefallen, er wisse nicht mehr warum, vielleicht hätte er schon Alzheimer. Mit einem zweifelnden Blick, denn natürlich hatte auch er inzwischen die Fahne gerochen, begab der Autofahrer sich wieder in sein Fahrzeug und fuhr von dannen.

Ich hob dem alten Mann sein Hauberl auf, das noch am Boden gelegen war, und fragte, ob ich ihm sein schweres Sackl heimtragen solle. Er freute sich: 'Ja, wennst magsch!', und ein Leuchten trat in seine Augen.

Er ergriff meine Hand und wir tappten munter plaudernd los. Er fragte mich nach meinem Namen, erzählte, er hieße Günther und er fände mich sehr lieb. Sein Alter war schwer zu schätzen, er sah ziemlich fertig aus und hatte Knast-Tattoos an den Händen. Sehr gut beinand war er nicht, schwankte mehrmals und gestand, er habe etwas Zucker. Ob er denn schon was gegessen hätte heute? Nein ...

'Mann!!!', schimpfte ich los, 'auf nüchternen Magen was trinken und dann losrennen, des kannsch doch ned machen, und dann auch noch Diabetes!!!'

Er guckte etwas schuldbewußt von schräg unten und zwinkerte mit listigen kleinen Äuglein: Das würde seine Freundin auch immer sagen. 

Bald darauf, es war eh nicht weit aber wir kamen nur sehr langsam vorwärts, bogen wir in die Gasse ein, in der er wohnte. Am Anfang selbiger befand sich eine Baustelle, wir mußten einem Lastwagen ausweichen, der die ausgehobene Erde abtransportieren wollte, und dann ging garnichts mehr. Günther schwankte wie ein Ast im Wind und ich dachte: jetzt haut es ihn gleich wieder hin, zehn Meter vor seinem Häuschen!

Also holte ich eine Banane aus meinem Rucksack und hielt sie ihm auffordernd vor die Nase. 'Ja und was ißt du dann?', fragte er besorgt? 'Ich hab noch eine dabei, des paßt scho.'

Also aß er brav die Banane, fragte mich nochmals nach meinem Namen, weil er den schon wieder vergessen hatte, und danach schafften wir es ohne weitere Zwischenfälle bis zum Gartentor. Vorsichtshalber trug ich die Tasche noch bis zur Haustüre, er meinte: 'Warte, ich brauch den Schlüssel ...', ließ meine Hand los und griff in den Blumenkasten, der neben dem Fensterchen stand. 'Der is da immer drin', grinste er freundlich und begann, die Türe aufzuschließen.

'Ja du bist lustig,' meinte ich vorwurfsvoll, 'einem fremden Menschen das Schlüsselversteck zu offenbaren, des darfsch doch ned! Was is wenn ich  morgen komm und euch die Bude ausräum???!!!'

Nachdem die Türe offen war, stellte ich das schwere Sackl im Eingangsbereich ab und dachte, ich könne nun gehen, aber Günther wollte mich nicht fortlassen. Ich solle doch noch mit reinkommen lud er mich ein ... was ich vorsichtshalber ablehnte. Einerseits hätte es sicher nichts geschadet, wenn jemand noch ein bissl auf ihn aufgepaßt hätte, aber auf meine Frage hin, wann denn die Freundin käme, meinte er 'in etwa zwei Stunden', ich wußte ihn somit in guten Händen und dachte mir, bis dahin wird er wohl überleben.

Der Gute war so gerührt, hat mir immer wieder versichert wie lieb ich sei, wie gern er mich hätte, dabei liefen ihm sogar die Tränen aus den Auge. Mehrmals hat er mich umarmt und wenn ich mich nicht irgendwann mit Macht losgerissen hätte, stünden wir wohl heute noch dort.

Als ich auf die Straße trat, stand er noch immer in seiner Haustüre und winkte mir nach. Ich hatte ihm versprechen müssen, ihn bald besuchen zu kommen, sonst hätte er mich nicht gehen lassen.

Der arme Kerl hat mir so leid getan, aber dennoch werde ich ihn nicht besuchen. Erstens einmal, weil ich seine Freundin nicht kenne und wenig erpicht darauf bin zu erfahren, was sie von einer unverhofft auftauchenden weiblichen Bekanntschaft ihres Günthers hält, weiters werde ich mir keinen zweiten Anton aufladen, mir hat der erste schon gelangt. So lieb und gut einerseits, aber auf der anderen Seite ständig in trouble weil man ohne zu reflektieren einfach losrennt, egal wohin. Wenn man eh schon Diabetes hat, dann geht man nicht ohne Frühstück raus, von der Trinkerei auf nüchternen Magen mal ganz abgesehen. Aber da kann man sich den Mund fusselig reden, das geht bei den Antons und Günthers dieser Welt rechts rein und links wieder raus.

Obwohl sie ungute Erinnerungen wach werden ließ, hat mich diese Begegnung dennoch tief berührt. In den heutigen oberflächlichen Zeiten, in denen immer mehr Menschen freiwillig Maskenball spielen, in Kontakt mit einem echten, ehrlichen Menschen treten zu dürfen, der sagt was er denkt und tut was er fühlt, ist schon ein kleines Wunder und zeigt auf, daß noch nicht alles zu spät ist und wir die Hoffnung niemals aufgeben dürfen.






Sonntag, 31. Januar 2021

Alt zu werden ist einfach Scheiße



Es gab vieles, das man Anton vorwerfen konnte, aber daß es einem mit ihm jemals fad werden könnte, das stand niemals zu befürchten. Eigentlich hätte ich es meistens lieber ruhiger gehabt - aber daß mir dieser Wunsch mittlerweile dermaßen umfassend erfüllt wurde, daß niemand mehr auch nur irgendwas darf und die Welt zunehmend ins Monochrome abdriftet, hätt's jetzt auch nicht gebraucht. Man muß wirklich sehr aufpassen, was man sich wünscht, es geht immer in Erfüllung - allerdings mangels Präzision beim Wünschen sehr selten so, wie man es gerne gehabt hätte.

Damals jedoch, als Anton noch lebte und die Welt bunt war, mußte man stets auf das Ärgste gefaßt sein, ungefähr so wie wenn man mit einem Kleinkind unterwegs ist, das gerade entdeckt hat, daß es sehr schnell laufen und sich auch prima verstecken kann, besonders wenn es Mutti eilig hat und echt keine Zeit für dumme Spielchen.

Es ist kein Geheimnis, daß ich mich sehr gerne in Wien aufhalte. Mit der Zeit bildeten sich dabei einige Rituale heraus, eins davon war, daß ich mir in einem Bioladen im Dritten, Nähe Rochusplatz, ein Blätterteiggebäck mit Spinatfüllung kaufte und damit in den Donaupark hinauffuhr, um es dort genüßlich zu verspeisen. Logischer wäre es gewesen, damit in den Prater rüberzufahren oder in den Augarten, aber ich bin eine Frau, ich muß nicht logisch handeln. Spinattaschen gehörten im Donaupark verspeist und Weintrauben vom Viktor-Adler-Markt auf dem Zentralfriedhof, so einfach war das.

Nachdem ich nicht nur unlogisch bin sondern mir auch mein kindliches Gemüt entgegen aller Anfechtungen bewahren konnte, ist selbstverständlich auch darauf zu achten, bei jedem Besuch im Park mit der Donauparkbahn zu fahren. Ich liebe diese kleinen Bähnchen, und so eine Fahrt gehörte in jeder meiner Lieblingsstädte zum Pflichtprogramm. Ob Stuttgart, Karlsruhe, Frankfurt oder Wien: Bähnlefahren mußte sein.

Jetzt wollte der Anton natürlich immer mit auf meine Reisen nachdem er zu mir gezogen war, und ich hab ihn prinzipiell auch gerne mitgenommen. Geteilte Freude ist doppelte Freude, wie der Volksmund so schön sagt, aber man braucht halt auch gute Nerven wenn man mit anderen Leuten unterwegs ist, und meine Nerven sind noch nie besonders stabil gewesen.

Wir saßen also mit einer ausgesuchten Gruppe von Stofftieren - meistens waren Fredi und Herr Umnus dabei, manchmal auch Fernwauz oder Antons Schlafbär, welche heute allerdings daheim bleiben wollten - in der Donauparkbahn, welche gemütlich vor sich hinratternd das Gelände durchpflügte (zu schnell durfte der Lokführer nicht fahren, da man sonst NIEMALS auch nur annähernd an die versprochenen 15 Minuten Fahrzeit herangekommen wäre) und genossen die Aussicht. Bei der Haltestelle Rosenschau bleibt der Zug meist etwas länger stehen, da hier die meisten Leute zusteigen und es ein Zeitl dauert, bis die Billets alle kontrolliert sind. Wir also ein bissl in der Gegend umeinandergeschaut, in Richtung Rosengarten natürlich, die Hecke auf der anderen Seite ist eher unergiebig, und der Rosengarten war damals noch recht neu, erst vor kurzem gestaltet worden, und somit auch für mich interessant. 

'Schau dir des an!', flüsterte Anton mir auf einmal hektisch zu. 'Da drüben, die zwei auf'm Bankerl, die machen business, I pack's ned!'
'Wie kommsch jetzt da drauf?', fragte ich verwundert. Ich sah lediglich zwei junge Burschen dasitzen, die sich unterhielten.
'Weil des Plastiksackerl jetzt auf einmal unter dem da rechts steht, vorher stand's links.'
'Ja, der hat ihm halt vielleicht die Aufgab bracht, oder sein Turnzeug, das er vergessen hatte, oder ein paar DVDs oder so???' versuchte ich, Antons Verdacht zu entkräften und die Ehre der beiden jungen Männer zu retten.
'Naa,', blökte Anton fachmännisch, 'I hab des genau g'sehn wie der eine dem anderen ein piece unter die Nase g'halten hat und dann hams beide dran g'rochen und grinst. Also offensichtlicher geht's nimmer. Und des mitten im Park!' Empört stierte er weiter in Richtung Bankerl und dachte offenbar verbittert an all die Jahre, die er bereits auf Staatskosten in diversen bayerischen Gitterpensionen hatte verbringen dürfen, obwohl er sich niemals dermaßen fahrlässig verhalten hatte. 

Die beiden Burschen standen jetzt auf, schlenderten beiläufig nach hinten weg, trennten sich, der eine wandte nach rechts in Richtung Haltestelle Alte Donau, während der andere das Plastiksackerl beiläufig ins Gebüsch bei den Springbrunnen stellte und dann in die entgegengesetzte Richtung davonmarschierte.

Mit einem Sprung war Anton plötzlich aus dem bereits anfahrenden Zug gehechtet und sprintete davon. Bevor ich noch unsere Sachen sowie Fredi und Herrn Umnus aufsammeln und die Verfolgung aufnehmen konnte, hatte der Zug an Fahrt aufgenommen und ich mußte hilflos sitzenbleiben. Nie war mir die Strecke bis zum Donauturm so lange vorgekommen. Es bedurfte nicht viel an Phantasie um zu erraten, was Anton vorhatte. In einer fremden Stadt, ohne connections, was zum Henker wollte er mit seiner Beute anfangen? Und vor allem, wozu? Wir hatten doch genug Geld dabei! 

Nervös und stocksgrantig starrte ich in die Brennesseln am Wegrand und in meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. In einem fremden Land eine Straftat zu begehen, aus purer Gedankenlosigkeit, das war SO typisch für Anton, nichts als Ärger hatte man, das war jetzt aber ENDGÜLTIG das letzte Mal, daß ich mit ihm weggefahren war und was sollte ich jetzt nur machen und wo war er überhaupt, wo sollte ich ihn suchen? Bei seinem Orientierungsvermögen würde er niemals alleine zu unserer Wohnung beim Reumannplatz zurückfinden, wo er nicht einmal in der Lage war, von dort mehr oder weniger gradaus die Davidgasse entlang bis zur Tankstelle zu gehen die einen Sonntags-Billa beinhaltete.

Kaum war der Zug endlich beim Turm angelangt, stolperte ich auch schon heraus und hetzte quer durch den Park Richtung Rosengarten, wo ich Anton das letzte Mal gesehen hatte. Glücklicherweise mußte ich nicht lange suchen: Bereits bei der Graffitiwand wo die Frau mit dem Schirm drauf ist, saß er von einem Ohr zum anderen grinsend, und begriff einmal wieder überhaupt nicht, wieso ich mich so aufregte.

'Schpinnsch jetzt? Was sollt I mit dene ihrm Dope?', fragte er auf meine Vorhaltungen wegen seiner plötzlichen Flucht völlig verständnislos. 'I bin lediglich dem Typen nach und hab ihn g'fragt, was er in dem Sackl drin hat und ob's da eventuell mehr davon ... und er hat mir a kleins Probepiece abzwackt und I hab mir au scho a bissl in mein Tschick einebröselt, I kann dir sagen, des haut nei! Schad, daß du nix mehr vertragsch! Und was is, geh mer was essen? I hätt grad irgendwie Hunger ...'

Entnervt ließ ich mich auf einen Sitzplatz fallen, schloß erschöpft die Augen und fragte mich, ob ich tatsächlich krank im Kopf war und daher überall Verbrechen und Katastrophen witterte wie meine Psychologen mir ständig einzureden versuchten. Früher hätte ich einfach mitgeraucht, wir hätten uns gemeinsam totgelacht und einen schönen Tag verbracht. Alt zu werden ist einfach Scheiße!












Mittwoch, 6. Januar 2021

Nervenkrieg


Wie erleichtert war sie gewesen, als sie nach fast zweijähriger Abwesenheit wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt war und die Menschen dort zugewandt, freundlich und hilfsbereit erleben durfte. Die Monate vor der Wiedereingliederung hatte sie in Furcht und Aufregung verbracht, sich die finstersten Szenarien ausgemalt, die ihr überaktives Gehirn nur ersinnen konnte. Und deren gab es genügend. War doch der erste Versuch im Jänner kläglich gescheitert, weil sie damals ausgerechnet mit der Kollegin täglich konfrontiert gewesen war, die sie damals praktisch aus dem Büro des Oberarztes hinausgemobbt hatte, in dem sie zwölf Jahre gerne und auch gut ihren Dienst verrichtet hatte. Diese Kollegin, bei der sie sich jeden Morgen hatte melden müssen, hatte ihr unmißverständlich klargemacht, daß sie nun niemand mehr war, absolut niemand. Damit hatte sie nicht gerechnet gehabt und es hatte sie schwer getroffen.

Jetzt, beim zweiten Anlauf, war sie also darauf vorbereitet gewesen, als unterste in der Hirarchie ned amal ignoriert zu werden - und war dann positiv überrascht gewesen, wie anders es drüben in der Physikalischen Medizin, wohin man sie versetzt hatte, zuging. Die Frauen waren nett zueinander, es gab keine üblen Redereien, man scherzte und stöhnte gemeinsam, es war eine völlig andere Atmosphäre.

Allerdings empfand sie es anfangs als etwas komisch, beim Verlassen des Büros eine Gesichtsmaske aufsetzen zu müssen, sogar beim Gang auf den Abort ... was sich im nachhinein aber so manches Mal als durchaus wohltuend erwies, angeruchs der olfaktorischen Genüsse, die so mancher Patient dort zurückließ. Zwar hatte das Personal eine eigene Kabine, aber die war leider nicht umfassend abgedichtet.

Auch war die Rückenlehne des Bürostuhls irgendwie unbequem, aber nach einigem Herumruckeln und Dagegenhauen ließ auch diese sich in eine Position bringen, mit der sie leben konnte. Zuhause saß sie niemals auf Stühlen, auch das war ungewohnt. Daher nutzte sie jede Gelegenheit, Botengänge verrichten zu dürfen, auf denen sie auch die Kollegen und Kolleginnen aus der alten Abteilung wiedertraf, und überall freudig begrüßt wurde. Es tat ihr unglaublich gut, wieder unter Menschen zu sein und jeden Tag irgendwo ein kleines Schwätzchen halten zu können. 

So vergingen die ersten Wochen in einem wohligen Dahingleiten, die Arbeitszeit wurde sukzessive aufgestockt, die Arbeit erwies sich als gut machbar, das alte Hirn funktionierte noch recht gut und sie schwebte auf rosaroten Wolken durch die heimischen Flure des alten Krankenhauses. 

Bis sie eines Tages von ihrer direkten Vorgesetzten, welche für das Team Admin beider Abteilungen sowie der Niederlassung im Klinikum Innenstadt zuständig war, und die sie daher ebenfalls seit vielen Jahren kannte, in ihrem Büro aufgesucht wurde. Es war kein offizielles Vorsprechen, fühlte sich jedoch bereits nach knapp zwei Minuten genauso an. Die Vorgesetzte war nämlich keineswegs gekommen, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, so wie in den Wochen zuvor. An diesem Tag war sie gekommen, um ein heikles, gar kritisches, Thema vorzubringen. Man würde über sie reden, wurde ihr gesagt. Wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes. Sie hätte da wohl so eine bunte Hose getragen, das müsse sie bleiben lassen. 

Betroffen blickte sie an sich hinunter. Ihre Hose war blau. Lediglich in ihrer ersten Woche hatte sie bunte Leggings getragen, diese aber bald gegen die blauen Lieblingshosen ausgetauscht, da diese große Taschen hatten, in die Maske, Transponder und Hausschlüssel ebenso hineinpaßten wie nach der Arbeit beim Spaziergang gefundene Steine, Holzstückchen und andere Schätze. Dieselbe Hose besaß sie auch in waldgrün und zog beide immer abwechselnd an, da sie weiters einen Gummizug hatten und so auch trotz der Gewichtszunahme bequem saßen. Im Sommer waren sie sehr praktisch als Gelsenabwehrhosen, da die blutrünstigen Viecher durch dünneren Sommerstoff einfach hindurchstachen, was ihnen aber bei diesen genialen Hosen nicht gelingen wollte.

Die Vorgesetzte sah nur das bedröppelte Gesicht ihres Gegenübers und meinte beherzt: 'Nun, Frau R., das ist jetzt aber kein Grund, in eine tiefe Depression zu versinken.'

Sehr einfühlsam, dachte sie sich. Perfekte Wortwahl einer Mitarbeiterin gegenüber, die sich wegen genau einer solchen Depression in der Wiedereingliederung befand, ihrer Ansicht nach nichts falsch gemacht hatte, und nun für die Wahl ihrer Hosen gerügt wurde.

'Was Sie für Pullover anziehen ist mir ja wurscht', fuhr die Vorgesetzte unbarmherzig fort, 'aber diese Hosen gehen garnicht. Ziehen Sie Stoffhosen an, so wie die anderen auch.'

Stoffhosen? Was glaubte die Person, aus was ihre Hose gearbeitet worden war? Aus gebrauchter Zahnseide???

Vorsichtige Argumentationsversuche ihrerseits, eben wegen Bauch und Gummizug und andere Hosen zu klein geworden, wurden von der Chefin harsch abgebügelt: 'Frau R., wir sind Ihnen entgegengekommen, Sie dürfen jetzt hier halbtags arbeiten, haben jeden Mittwoch frei, nun machen Sie mal kein Drama draus, orientieren Sie sich an dem was die anderen tragen, Sie sind doch intelligent, wir sind auch sehr froh, Sie nun in der Tagesklinik zu haben, da Sie hier sicher einiges werden bewirken können. Sie werden bald Patientenkontakt haben, da müssen Sie ordentlich aussehen.'

Sah sie nun unordentlich aus? War die Hose zerrissen, fleckig oder sonst in irgendeiner Weise auffällig? Nein, war sie nicht. Eine völlig normale, weit geschnittene, bequeme Stoffhose, in deren Taschen sich allerlei unterbringen ließ. Was bitte war an dieser Hose falsch???

Nachdem die Vorgesetzte wieder fort war, fiel ihr auch eine eindeutige Diskrepanz in der Logik auf, mit der man ihr soeben den Grund für die Kleidervorschrift erklärt hatte. Der Pullover sei wurscht (als ob es an dem ebenfalls etwas auszusetzen gäbe, aber man mal nicht so sein wolle???), aber die Hosen gingen garnicht? Was sieht denn der Patient, wenn er zur Türe hereinlinst und - coronabedingt - mit viel Abstand neben ihrem Schreibtisch stand? Den Pullover oder die Hosen? Richtig. Die Hosen konnte er garnicht sehen, die befanden sich nämlich unter dem Tisch. Weiters war des Patienten Begehr im allgemeinen ein Termin oder ein Rat, weil er sich nicht auskannte. Niemand würde das Büro betreten, um die Kleidung der Angestellten zu begutachten oder gar zu beurteilen, solange diese nicht angekleckert war oder in Fetzen vom Leibe hing, wie es bei den jungen Leuten ja eine Zeitlang modern gewesen war.

Genauso hatte es damals an ihrem früheren Arbeitsplatz auch angefangen. Zuerst war man jahrelang mit ihr hochzufrieden gewesen, der Medizinische Direktor höchstpersönlich hatte sie überredet, sich nach Ablauf des Zeitarbeitsverhältnisses fest anstellen zu lassen, sie war mit fast allen Leuten im Haus bestens ausgekommen, doch dann fusionierte die Firma, bzw. wurde feindlich übernommen, es kam ein neuer Chef, und auf einmal war alles anders. Ihre Kleidung war verkehrt gewesen, die Frisur sowieso, ihre Eßmanieren abscheulich und ihre Ausdrucksweise ordinär. Sollte es nun wieder so losgehen, nachdem sie ja nun auch hier die Abteilung und somit den Chef gewechselt hatte? War er es etwa, dem ihre Hosen so sehr ein Dorn im Auge waren, daß er die Vorgesetzte zu ihr geschickt hatte, um ausrichten zu lassen, daß sie sich anders zu kleiden habe?

Sie fühlte sich, als sei sie an einem hellen Sommertag fröhlich, von bunten Schmetterlingen umflattert, in einem warmen, freundlichen See geschwommen, vom romantisch schilfbewachsenen Ufer hatte Froschquaken herübergetönt und die Libellen gar putzige Kapriolen in der Luft vollführt - doch auf einen Schlag befand sie sich, von düsterer Landschaft umgeben, in einem moorigen Tümpel wieder, auf dessen Grund tückische Schlingpflanzen lauerten welche unablässig versuchten, nach ihr zu greifen und sie mit sich in die Tiefe zu ziehen.

Trotz regte sich in ihr: Denen werd ich's zeigen! Sie wollen einen anderen Kleidungsstil? Den können sie haben. Leider werden die Läden noch sehr lange geschlossen sein, das ist schade, sonst hätte sie gleich nach Feierabend in ihren Lieblings-Gruschtelladen fahren und sich ein entsprechendes Teil aussuchen können. So würde sie tiefer in die Tasche greifen müssen und sich online etwas Passendes bestellen. Waldgrün mit weit ausgestellten Hosenbeinen. Modern, also nichts dagegen zu sagen. Dazu würde sie ihre Bundesheerstiefel tragen. Denn offenbar wollte jemand unbedingt Krieg. Den konnte er haben. Sie war bereit!










Sonntag, 20. Dezember 2020

Weihnachten, total verhext



Eigentlich konnte sie Weihnachtsfeiern nicht ausstehen. Zunächst einmal, weil jedes Jahr dieselben Leute auftauchten, selten einmal war jemand Neues dabei, seit Jahrhunderten immer dieselben Gestalten. Da gingen einem doch bald einmal die Gesprächsthemen aus. Worüber sollte man sich unterhalten? Über das Wetter? Kaum. Das konnte sich jeder und jede von ihnen völlig mühelos selber gestalten. Die Kleiderwahl? Zwecklos. Da man in ihren Kreisen wenig modebewußt war, gab es auch in diesem Bereich wenig zu sagen. Irgendeinen Flitter aus dem Kasten gezerrt und auf ging's. Allein die Partnerwahl ... allerdings war genau dieser Punkt bei ihr ein besonders wunder, ein weiterer Grund, ungern auf die anderen zu treffen, denn natürlich wurde genau beobachtet, wer mit wem angereist kam, oder eben gerade nicht (mehr). 

Am Ärgerlichsten jedoch waren die Spaßvögel, die einem Übles ins Getränk warfen während man grad mal die Nase pudern gegangen war. Eiserne Regel daher: Niemals sein Glas unbeaufsichtigt lassen oder gar ein fremdes Getränk annehmen. Erklär mal einem Versicherungsmenschen, wieso du mitten in der Nacht auf einem Besen in einen Schornstein gerasselt bist. Leugnen zwecklos, da Teile des Stiels noch deutlich sichtbar in den nach unten gefallenen Brocken steckten.

Gegen Mitternacht wurde man dann gern einmal lustig, beschloß, die Leute im Dorf zu necken, und auf ging's zur Christmette. Nachdem heutzutage auch auf dem Land viele Familien nur in dieser einen Nacht zur Kirche gingen, fiel man nicht weiter auf solange man sich vom harten Kern der Kirchenbesucher - leicht zu erkennen am mißbilligenden Blick sowie der altmodischen Kleidung, besonders feiner Sonntagsstaat eben - fernhielt.

Allerdings war auch hier der Spaß begrenzt, da die alten Bräuche fast alle ausgestorben waren. Selbst der Bauer kam mit in die Kirche statt irgendeinen Wurmsegen über seine Pferde zu sprechen, für sowas hatte man nun den Veterinär, dessen Segen aus der Tube kam und verläßlicher wirkte als irgendwelche Zaubersprüche. Abgesehen davon - wer hielt sich noch Pferde? Man besaß einen Traktor oder zwei, und die im Stall verbliebenen Tiere sprachen auch in dieser Nacht kein einziges Wort. Hätte auch niemand hören wollen, was sie zu sagen hatten. Das mußten halt dann wir übernehmen und zogen, laut krakeelend, durch die nächtlichen Straßen, Olaf der Platzhirsch wie üblich am lautesten singend vorneweg:

Double, double, toil and trouble, wer glaubt dem Bauern sein Gebabbel? Das Stroh ist hart, die Betten weich, in diese legt er sich nun gleich, steckt seine Lanze in die Frau, diese ruft laut: Au au au! Sadomaso will gekonnt sein, da muß die Frau noch nicht mal blond sein, doch wer die Tiere quält für Geld, hat niemals Freud' in dieser Welt!

Aber auch diese Juxereien wurden auf die Dauer fad. Die Leute gingen nicht mehr zu Fuß, wodurch sie in früheren Jahrhunderten voll leicht zu erschrecken gewesen waren, die stiegen in ihr Auto, drehten ihre Super-Woofer-Boxen auf und brausten los. Grad, daß man noch auf die Seite springen konnte und, wenn's blöd lief, direkt in einem Elektrozaun neben der Weide landete. So machte das keinen Spaß! 

Sie hatte daher beschlossen, dieses Jahr ihren jährlich wiederkehrenden Vorsatz wahrzumachen und einfach nicht mehr hinzugehen. Was wollten sie schon groß machen? Sie ignorieren? Na, das wär ja mal ganz was Neues.

Am Tag vor Heilig Abend kam sie erschöpft von der Arbeit, grabschte sich eine Tüte Schokokekse, die mit dem höchsten Suchtpotential, aus der Speis und wollte eigentlich nur noch rasch ein passendes Buch ... da blieb ihr fast das Herz stehen vor Schreck: Der Anrufbeantworter in der Bibliothek blinkte!

Nun ja, werden Sie, geschätzte Leser nun denken, das machen Anrufbeantworter nun einmal ab und an. Auch wenn man sehr zurückgezogen lebt, ruft doch mal der Zahnarzt an oder zumindest jemand von einem Callcenter.

Jetzt war es aber so, daß ihr Telefon nicht angeschlossen war. Keins von beiden. Das eine, weil es zu alt war, noch mit Wählscheibe, und nur zur Dekoration im Gang stand. Das andere, weil sie nach einem Anbieterwechsel beschlossen hatte, sich die zusätzlichen fünf Euro im Monat zu sparen. Wer sie unbedingt sprechen wollte, konnte sie genausogut auf dem Mobiltelefon nicht erreichen. Der Anrufbeantworter KONNTE also gar nicht blinken, da das Telefon tot war. Mausetot. Eigentlich hatte sie es schon lange zum Wertstoffhof bringen wollen ... war ein Telefon eigentlich Elektro- oder Plastikmüll? Ach, hätte sie es doch getan! Buch und Schokokekse wären ihr sicher gewesen, stattdessen: Wildes Herzrasen und zitternde Hände. Wie konnte ... sollte sie ... das Kabel, das Kabel war doch nicht einmal eingesteckt ... 

Schließlich siegte die Neugier. Vorsichtig umrundete sie den Wäscheständer und drückte auf den auffordernd blinkenden roten Knopf: 'ZABOR QUANTEFIX, DROSTENIX MECUM!', schallte es ihr aus dem Gerät entgegen. Schwach ließ sie sich auf's Lesesofa sinken. Das war nicht der Anrufbeantworter. Der erklärte sonst immer umständlich, man habe eine neue Nachricht, von der Nummer soundso, und wenn man sie anhören wolle dann solle man Knopf eins drücken ... aber nein, gleich volle Kanne dieser beknackte Spruch. Zabor quantefix, Drostenix mecum. Was sollte das bitte bedeuten? 

Um sich abzulenken griff sie zur Post, die sie sich vom Briefkasten mit heraufgebracht hatte. Hierbei fiel ihr ein Umschlag besonders ins Auge: Glitzerndes Hellblau, dick, offensichtlich gefüttert ... eine Weihnachtskarte? Begierig riß sie die Lasche auf und entnahm eine auf kartoniertem Papier gedruckte Einladung: 'Zum Feste laden wir heute, ohne die übliche Meute, Erscheinen unbedingt, mein liebes Hexenkind!' Darunter in Schrägschrift: Der Code wird dir im Laufe des heutigen Tages zugestellt werden, diesen bitte unbedingt beim Einlaß angeben. Unser Chauffeur wird dich am Heiligen Abend gegen 19 Uhr abholen, bitte stelle deine Klingel an!

Oha. Da kannte sie jemand aber ganz genau. Was nun? Die Ansage auf dem Telefon war offensichtlich der Code für das Fest, und ihr Erscheinen dort unabdingbar. Aber gut, immerhin erst morgen. Heute Buch und Kekse, und keine weiteren Störungen!!!

Am nächsten Abend saß sie bereits gegen halb sieben bereit, gestiefelt und gespornt, wie man so schön sagte, und wartete auf das Klingeln des Chauffeurs. Um Viertel nach sieben war sie sich nicht sicher, ob sie erleichtert darauf hoffen sollte, daß er nicht mehr kam und sie doch den Abend in aller Ruhe alleine verbringen konnte, oder ob nicht doch die Enttäuschung die Oberhand gewinnen mochte ... schließlich war sie den ganzen Tag voller angespannter Erwartung gewesen, und nun?

Um acht Uhr war sie sicher, daß niemand mehr kommen würde, zog die guten Sachen langsam aus und ihren Schlafanzug an. Warum machte jemand sowas? Die anderen konnten doch von ihrer Absicht, zum üblichen Fest nicht erscheinen zu wollen, nichts wissen. Also inzwischen natürlich schon, da sie offensichtlich nicht aufgetaucht war, aber gestern doch noch nicht. Wer also sollte ihr so einen dämlichen Streich spielen? Und wie hatten sie das mit dem AB gemacht, wenn es keine Kolleginnen von ihr gewesen waren? Hatte man sie etwa vom Fest fernhalten wollen? War man ihrer genauso überdrüssig geworden wie vice versa? Bei dem Gedanken wurde ihr schlecht. Es ist eine Sache, einer Feier einfach mal fernbleiben zu wollen. Doch dort grundsätzlich nicht mehr erwünscht zu sein?

Lautes Rumpeln im Treppenhaus ließ sie aus ihren Gedanken hochschrecken - wer machte denn um diese Uhrzeit so einen Krach? Das konnten doch nur wieder mal die Studenten aus dem zweiten Stock sein! 

Grantig lauschte sie dem Lärm, der sich zu einem festen Poltern verdichtete ... und in einem heftigen Wummern an ihrer Wohnungstüre kulminierte. Schreckensstarr stand sie im Schlafzimmer und lauschte nach draußen. Polizei? Ein Irrer? Ein Nachbar der Hilfe brauchte? Sollte sie durch's Guckloch linsen oder doch besser so tun, als sei sie nicht daheim? 

Wiederum siegte die Neugier und sie schob vorsichtig den Deckel des Türspions ein Stück beiseite um in den Gang hinaussehen zu können. Just in diesem Moment wurde dort das Ganglicht erneut angedreht und sie konnte einen Mann in Uniform erkennen. Doch Polizei? Nein, die trugen andere Kappen. Wiederum hämmerte der Mann ungeduldig an die Türe und blitzartig traf sie die Erleuchtung ... natürlich! Das war der Chauffeur der sie hätte abholen sollen! Über eine Stunde zu spät! Na, dem würde sie aber was erzählen!

Heftig riß sie die Türe auf und wollte gerade zu einer Schimpftirade ansetzen, als sie ein Blick aus den wunderschönsten grünbraunen Augen  traf, die sie jemals gesehen hatte. Klingt jetzt wie in einer der kitschigen Geschichten aus der Regalreihe 'Frauenromane', war aber so. Sie stand da, im Schlafanzug, starrte den Mann vor ihrer Nase an, und die Erde hörte auf, sich zu drehen. Das ist jetzt bei normalen Menschen nicht weiter schlimm wenn ihnen so etwas passiert, die erholen sich wieder und das Umfeld, soweit es etwas mitbekommt, denkt sich was und grinst. Aber wenn eine übersinnlich begabte Frau dermaßen die Kontrolle verliert, dann bewegt sich mehr als nur die Mundwinkel des Gegenübers. Da verschiebt sich die Atmosphäre, und grad an gewissen verwunschenen Abenden, an denen man den Lücken im Raum-Zeit-Kontinuum nicht zu nahe kommen sollte, kann das überraschende Folgen haben.

Wir werden nie erfahren, wieso der Chauffeur erst nach acht Uhr statt um sieben ankam, als die Klingel schon ausgestellt war und niemand ihn mehr erwartete. Aber soviel sei doch noch verraten: An diesem Abend fuhr keiner mehr auch nur irgendwohin. Schlafanzug und Chauffeursuniform lagen bald einträchtig nebeneinander am Teppich, und wenn sie nicht gestorben sind dann lachen sie noch heute jedes Jahr an Heiligabend darüber, wie sonderbar alles damals gewesen war, an dem Abend, an dem sie sich das erste Mal sahen und er sich auf einmal in eine hübsche, grünbraune Kröte verwandelt hatte - und sie seither vergöttern, in ihrem Bettchen schlafen, von ihrem Tellerchen essen und aus ihrem Becherlein trinken durfte.


 







Mittwoch, 28. Oktober 2020

Die unschuldige Seele


Als ich gestern Abend nach der Arbeit am Reumannplatz von der U-Bahn hochkam, sah ich dieses kleine blaue Männchen auf einer der Bänke beim Amalienbad sitzen. Jetzt sind wir es in Wien ja durchaus gewöhnt, daß am Reumannplatz alle möglichen Gestalten umeinanderhocken, aber ein kleines, komplett blau gefärbtes Männchen?


Er saß ganz ruhig mit geschlossenen Augen da, bewegte lediglich leicht den Oberkörper vor und zurück, so daß ich mir dachte, er braucht vielleicht Hilfe … und näherte mich der Bank auf der er saß.


Noch bevor ich ihn erreicht hatte, öffnete er die Augen und sah mich grantig an.

‘Wieso’, fragte er mit dumpfer, hallender Stimme, die so garnicht zu seinem Aussehen paßte, ‘kannst du mich sehen???’.

‘Öh’, antwortete ich verdutzt, ‘ich seh dich halt. Warum jetzt auch nicht???’
‘Weil ich mir SO eine Mühe gegeben hab, unsichtbar zu werden!’ schnaubte er empört.

‘Na, da bist ja am richtigen Platz mein ich mal’, grinste ich. ‘Hier schaut dich niemand zweimal an, vielzuviele abgefahrene Leute, da fallst so schnell ned auf. Aber hör mal, warum wolltest du ausgerechnet heute unsichtbar sein? Willst eine Bank machen?’

‘Schmarrn, Geld bedeutet mir nichts, Erdling! Ich bin hergekommen weil ich einen Menschen mit einer strahlenden, unschuldigen Seele suche.’
‘Ha, ausgerechnet hier??? Hast schon einmal auf der Neugeborenenstation vom AKH nachg’schaut?’
‘Ich sagte ich suche einen MENSCHEN, kein rotgesichtiges, brüllendes Monster’.

Na hey, a man after my own heart! Da mußte ich doch helfend beispringen! Oder?
Nur - wie würden wir unter den Tausenden von Leuten, die hier umeinanderwimmelten, herausfinden können, wer, wenn überhaupt, nun eine strahlende, unschuldige Seele hatte?
Der Inder mit dem riesigen Turban, der drüben bei der Straßenbahnhaltestelle seine Zeitungen verkaufte? Eine der alten Frauen die vorsichtig die Stufen des Amalienbades herunterkamen, die müde aussehende Schwarze mit dem roten Kopfputz, die aus der 67-Bim gestiegen kam?

In diesem Moment bog ein gebeugt gehender alter Mann um die Ecke, sein langes graues  Haar wehte im Winde und ebenso sein Bart, er zog ratternd ein kleines Wagerl hinter sich her und auf seiner Schulter saß ein Papagei. Als er näher kam entdeckte ich, daß im Wagerl ein winziges Lämmchen lag, ganz still und mit geschlossenen Augen.
Ich konnte meinen Blick nicht von dem Mann lösen, irgendwie kam er mir bekannt vor …
Er wiederum starrte wortlos zurück, fast schon herausfordernd, als ob er sagen wollte: Na komm, mach was dagegen!!

‘Was ist denn das für ein niedliches Lämmchen?’, fragte ich betont harmlos, als das seltsame Gespann an unserer Bank vorbeizog.

‘Hab ich aus Pötzleinsdorf geholt’, murmelte der alte Mann. ‘Die Arschlöcher hättens glatt verrecken lassen. Das arme Viecherl ist von der eigenen Mutter verstoßen worden und die blöde Funzn die dort Aufsicht macht war nicht in der Lage, dem Tierarzt am Telefon die Situation verständlich zu erklären. Der hat nix kapiert und meinte nur: Das Lamm muß zur Mutter, trinken - und hat ihr wieder aufgehängt. Daß die Mutter ja grad die ist, die es nicht nur wegstößt wenn es trinken will sondern es auch noch extra auf den Boden haut und gegen die Futterkrippe stößt, hat er nicht kapiert. Also  bin ich über den Zaun und habs einfach mitgenommen. Hab ja noch Flascherln daheim von die Enkerln.’

Ich war sprachlos. Naja, fast …
‘Pötzleinsdorf? Der Park? Der Streichelzoo da beim Eingang? Du hast einfach das Lämmchen geklaut?’

‘I hob eam's Lebn g'rettet Oida! Konnte doch nicht mitansehen, wie die Mutter das arme Viecherl  mißhandelt und alle stehen nur rum, schaun blöd, und keiner tut was! Ein Neugeborenes so umeinanderzuhauen, und immer wieder steht's auf und stakt auf zitterndem Beinchen auf die Mutter zu, und immer wieder hat sie es weggestoßen, an die Wand gedrückt, sogar mit dem Maul aufgenommen und auf den Boden gehaut! Das war nicht mehr zum Mitanschaun, da mußte ich doch was tun!!!’

‘Ah, äh, ja eh, klar, doch, also du bist wirklich voll der Held, ehrlich, Wahnsinn. Und du willst es jetzt echt die ganze Nacht mit der Flasche füttern?’

‘Naa, zuerst muß ich noch bissl was zammschnorren für die Milch, hab ja nix mehr daheim und kein Geld mehr für den Monat … du hast ned zufällig ein bissl Kleingeld übrig???’
‘Klar, logisch!’, Ich griff tief ins Portemonnaie: ‘Hier, guter Mann, ich hoffe das langt bis zum Ende der Woche?’

Der Alte blickte gerührt auf den Schein, den ich ihm hinhielt, und zum ersten Mal sah ich ein Lächeln auf seinen müden Zügen erblühen.
‘Das ist wirklich sehr großzügig von dir Chef, vielen Dank, küß die Hand Herr Baron! Das macht's um einiges leichter, nun kann ich gleich einkaufen gehen und meinen kleinen Freund hier füttern, und all die anderen die daheim schon warten …’

‘Du hast noch mehr Schafe daheim?’, fragte ich in das Kreischen der vorbeifahrenden Straßenbahn hinein.
‘LORA,’ unterbrach der Papagei unsere Unterhaltung, ‘Give us a kiss, LORA’.
‘Keine Schafe’, erklärte der seltsame Alte. Ein paar Viecherln halt die mir so begegnet sind und die Hilfe brauchten.’

‘Na, wenn DAS kein Mensch mit einer strahlenden, unschuldigen Seele ist!’, dröhnte mein kleiner blauer Freund hinter mir.
‘Pfah, Oida!’, erschrak mein graubärtiger Freund, ‘was war das denn???’

‘Ich bin sehr erfreut, daß ich offenbar doch für JEMANDEN hier unsichtbar bin’, rief das blaue Männchen fröhlich.

Der alte Mann blickte verwirrt hinter mich, wo die Stimme herkam, aber konnte offenbar tatsächlich niemanden sehen.

‘Nun …’, setzte ich zu einer Erklärung an, als ich auch schon unterbrochen wurde …
‘Ich bin hierhergekommen’, sprach das blaue Männchen weiter, ‘um einen Menschen mit einer wirklich strahlenden Seele zu finden, weil wir gewisse Probleme auf unserem Planeten haben, und da hab ich mir gedacht ok, mußt was machen … und es schaut ganz so aus, als ob ich mein Ziel bereits erreicht hätte. Hör mal Graubart, magst mit mir im Raumschiff mitfahren? Deinen Zoo können wir gerne mitnehmen. Unser großzügiger Bekannter hier geht mal rasch zum Billa vor und holt uns eine Ziegenmilch und einen Babysauger damit das arme Lämmchen nicht noch verendet bevor wir fertiggeredet haben, und wir beide unterhalten uns mal eine Runde, ok?’

Graubart guckte verdattert aus der Wäsche.

‘Bist du deppert, hab ich grad einen flashback’, murmelte er, ‘wo des locker 30 Jahre her is, daß ich den letzten Trip g'schmissen hab. Stell dir vor, ich bin grad zu einer Fahrt im Raumschiff eingeladen worden, wie damals in meiner Jugend … ich  hatte da diesen Freund, der war ein bissl daneben und immer wenn er eing’raucht war hat er von Raumschiffen phantasiert …’

‘Du, das waren keine Hallus’, beruhigte ich ihn, ‘der Typ ist echt. Nur, ich glaub außer mir kann den niemand sehen. Und er hat recht, ich geh mal rasch was zum Trinken holen, für uns und für dein Lämmchen, und du hockst dich mal hier aufs Bankerl, keine Angst, er tut nix, also hoffe ich jedenfalls …’, und schon stob ich davon, Richtung Favoritenstraße, zum nächsten Supermarkt.

Wie ich wieder zurückkam, saß Graubart mit seligem Grinsen auf der Bank, neben ihm mein kleiner blauer Bekannter, und die beiden schienen sich prächtig zu unterhalten, völlig unberührt vom stetigen Passantenstrom der keine zwei Meter von ihnen kontinuierlich weiterfloß, vom Dröhnen der Busse, Klingeln der Straßenbahnen und Streitereien der nicht immer ganz nüchternen Menschen, die den Platz meistenteils belebten, mal ganz abgesehen.

‘Äh, hallo dann, ich hätt die Milch dabei, für das Tschapperl …’, brachte ich mich zaghaft in Erinnerung. Die beiden blickten auf, Graubart nahm dankbar meine Offerte an und begann in aller Ruhe, das Lämmchen zu füttern. Zuerst schien es, als ob es bereits zu schwach wäre, am Sauger zu nuckeln, vielleicht hat es ihm auch einfach nicht geschmeckt, pasteurisierte Milch und so, aber dann, zu unserer großen Freude, saugte es mit Behagen am Fläschchen und kriegte es in Nullkommanix leer. Wir grinsten uns erleichtert an, im Glück vereint, eine große, glückliche Familie.

‘Sag mal’, hub ich an, ‘wo wohnst du eigentlich? Ich mein, wenn du soviele Tiere hast, das geht sich in einer Gemeindebauwohnung doch nicht aus. Und reich scheinst nicht zu sein, wie … also ich mein …’

Graubart schmunzelte vor sich hin: ‘Wennst es wissen willst, dann komm mit, es ist eh nicht weit von hier. Bier und Wurstsemmerl hast ja dabei wie ich sehe, kannst da ins Wagerl stellen, gemma gemma!’

Eigentlich hatte ich ja gedacht, mich in Wien halbwegs auszukennen, aber sobald wir von der Quellenstraße abgebogen waren, hatte ich bald völlig die Orientierung verloren. Waren wir nun in Richtung Geiselberg unterwegs oder Arsenal, oder Ostbahn, ich habs nimmer blickt … wollte auch nicht fragen, das Rattern des Wagerls war eh so laut und naja, ich dachte es geht mich ja auch nix an und ich werd’s ja sehen … die Gegend war grau und trostlos, wie das in Wien halt oft einmal der Fall ist, im Hintergrund ratterten Güterzüge … wir querten eine völlig verlassene Seitengasse … und standen plötzlich vor einem Bauzaun.

‘Ja und jetzt?’, fragte ich entgeistert. ‘Wollen wir da etwa drüberklettern oder was?’
‘Na sicher ned’, entgegnete Graubart, ‘des hammer uns schon dementsprechend eing’richtet. Komm, pack mit an!’

Erst jetzt bemerkte ich, daß die Kette nur auf den ersten Blick so ausschaute, als würde sie die Zaunteile fix miteinander verbinden. Graubart dröselte sie in Nullkommanix auf und ich half ihm, das Zaunteil soweit auf die Seite zu schieben, daß wir mit dem Wagerl bequem durchpaßten.

‘Sag, und das machst du jeden Tag? Ist das nicht ein bissl anstrengend in deinem Alter?’, fragte ich besorgt.

‘Siehste', boomte unser kleiner unsichtbarer Freund von hinten, ‘noch ein Grund mehr, mit mir am Raumschiff mitzufahren. Bei uns hat er es bequem, muß sich um nix kümmern, Schlaraffenland sozusagen.’

Während die beiden sich noch ein bissl keppelten, der Papagei fröhlich dazuwischenkrähte und ich nur irgendwas von Kohlsuppe und Nano nano mitbekam, was auch immer das bedeuten mochte, bogen wir um die Ecke und standen auf einmal mitten in einem kleinen Paradies. Zumindest optisch. Ein uralter, verlassener Zug stand auf einem fast schon völlig versunkenen Nebengleis, an den Fenstern der ehemaligen Waggons hingen Gardinen, außen prangte nicht etwa die übliche wilde Graffiti-Schmiererei sondern wunderbar ausgeführte Gemälde wobei die beliebten Hippiefarben Türkis, violett und altrosa durchaus vorherrschten. Wäre im Hintergrund nicht das ständige Geratter vorbeifahrender Züge gewesen … ich hätte mich glatt an den Wagen des ‘Nichtrauchers’ aus Kästners fliegendem Klassenzimmer erinnert gefühlt. Nur eben, daß hier viele Wagen standen. Teils beschädigt, teils deutlich angerostet, aber alle mit Liebe zum Detail bemalt und hergerichtet. Ich war entzückt.

‘Und hier wohnst du? Mit deinen Tieren? Ganz alleine? Keine Punks oder so die nachts rumnerven? Echt jetzt?’ Ich konnte es kaum glauben. So ein Idyll mitten in der Stadt? Ok, bis auf den Lärm halt … aber die Tiere waren ja auch nicht grad leise, und es soll ja auch Menschen geben, die unter Autobahnbrücken wohnen, von daher …

‘Najo doch, ab und an hab ich schon ein bissl an unguten Besuch’, meinte Graubart mit schmerzlich verzogener Miene, ‘grad in letzter Zeit … die Obdachlosigkeit nimmt halt immer mehr zu und die Leut breiten sich aus und grad die Jungen ham oft kan Genierer. Gruft is ned für an jeden, waßt eh, Josi is immer öfter überfüllt, da willst natürlich dein eigenes Platzerl ham …’

‘Ja genau’, meldete sich unser blauer Freund wieder zu Wort. ‘Deswegen nehm ich dich mit und du kannst mitsamt deinen Tieren bei uns noch ein paar Superjahre haben.’

‘Eh leiwand von dir Noah’, warf Graubart ein, ‘und ich käm ja auch gerne, aber wie lange müssen wir denn da fliegen? Da sterben wir doch alle unterwegs bis wir mal ankommen. Bringt doch nix.’

‘Total falsch’, erwiderte … Noah … ob er nun wirklich so hieß oder ob es nur ein Schmäh war … ‘aber es wird nicht lange dauern. Die Menschen gehen das mit der Raumfahrt nur völlig falsch an. Sie steigen in die Rakete und fahren damit als ob sie mit dem Auto führen oder dem Flugzeug flögen. Einfach gradaus von A nach B, innerhalb der ihnen bekannten Dimensionen. Und solange sich die Wissenschaftler vehement weigern, sich mit den Mystikern mal zusammenzusetzen, wird das auch so bleiben. So kommt ihr NIE viel weiter als bis zum Mond und daß da nix los is hat sich ja mittlerweile rumgesprochen. Nein, wir Extraterrestials wissen wie das geht. Seitlich. Nicht gradaus. Einfach seitlich. Also sorge dich nicht ehrwürdiger Greis, vertraue dich und deine Schutzbefohlenen einfach mir an, wennst magst kannst auch einen Vertrag haben, daß dir niemals ein Leid geschehen wird und wir dich nicht kreuzigen wollen oder in einen großen Kochtopf setzen. Wir brauchen einfach einen gesunden Schuß menschlicher Wärme auf unserem Planeten, es wird vielzuviel gerechnet dort, immer mehr Leute haben eine Plutimikationsvergiftung, das kann ja so nicht weitergehen. Idealerweise würd ich gern noch mehr Menschen wie dich mitnehmen, aber ich bin schon total happy, dich getroffen zu haben. Und die Zeit drängt ein bissl, ganz ehrlich.’

‘Naja’, meinte Graubart, während er sich bedächtig den Bart strich. ‘I kennat da so an odrahtn Musiker beim Wienerberg … sog amoi, hobts Fisch aa bei eich am Planetn?’
‘Wie bitte?’, fragte Noah verwirrt?
‘Ob ihr auch Fische habt. Teiche, Seen, Gewässer mit Fischen drin. Mein Freund angelt nämlich sehr gerne, und wenn er das bei euch auch … naja, ich könnt ihn doch mal fragen. Ja und Strom bräucht ma, wegen der Gitarre.’

‘Du kein Problem’, meinte Noah, ‘bei uns ist es eh nicht viel anders als hier, nur daß wir halt ein bissl anders ausschaun und, naja, die Plutimikationsvergiftung. Habts ihr übrigens auch, es heißt nur anders. Depression oder Burnout nennt man es hier. Is aber gradaus dasselbe. Willst ihn mal anrufen, deinen Freund? Ob er mitfahren mag?’

‘Ich triff eahm eh, nachher, am Wienerbergteich, bissl angeln, er hat an Schein, der darf das, und hernach die Beute lustig verspeisen, am offenen Feuer, also wenn’s wollts seids eing’ladn … ‘

Besagter Abend war dann nicht nur unglaublich lustig sondern so stark von menschlicher Wärme geprägt, daß mir die Tränen kamen, und das lag sicher nicht am Bier, ich kann schon was vertragen wenn’s wär. Hatte ich doch bisher die Menschen eher gemieden, war mir nun bei dem Gedanken, diese wunderbaren, gerade erst gewonnenen Freunde bald im All verschwinden zu sehen, sehr, sehr schmerzlich ums Herz. Aber leider war ich halt kein Mensch mit einer strahlenden Seele und unschuldig schon zweimal nicht, und hatte daher keine Hoffnung, ebenfalls ins Raumschiff mit eingeladen zu werden. 

Seither friste ich, hier auf der Erde zurückgelassen, mein einsames Dasein, entwickle mich weiter und versuche, mich so edel wie möglich zu verhalten. Was mir, solange niemand Lärm macht, auch schon ganz gut gelingt. Denn vielleicht, eines Tages, kommt der Noah zurück um auch mich abzuholen. Zumindest sag ich mir das immer wieder vor, wenn mir die Melancholie, sorry, die Plutimikationsvergiftung, zu sehr das Herz abdrücken möchte. Aber solang ich die hab, kann man mich halt nirgends brauchen, ich würd’s ja nur noch schlimmer machen. Also tapfer weiter auf dem eingeschlagenen Weg, am Ende wird alles gut, man muß nur fest dran glauben!