Mittwoch, 12. Juli 2023

Alexander Schmatulkes Traum von der Liebe

Alexander Schmatulke war verärgert. Ungewöhnlich für ihn, der er sonst ein eher gleichmütiges Verhalten an den Tag legte aber irgendwann langt's halt. Und irgendwann war jetzt!

Da hatte er seine Frau sorgfältig zerhackt, mittels einer aus der Arbeit mitgenommenen Knochensäge mühevoll zerkleinert, portionsweise verpackt und im Gefrierschrank verschwinden lassen - und jetzt? Stromausfall. Stromausfall bitte!!! Im gesamten Stadtteil, auf unbestimmte Zeit. 'Wieder so ein Cyberangriff!' sagten wichtigtuerisch jene, die bei Bekannten noch Fernsehschauen konnten. 

Der Gestank in seiner Wohnung war bereits nach wenigen Stunden bestialisch. Da half kein Parfum mehr. Bald würden die Leute reden. Fragen stellen. Sich wundern. Man würde sich erinnern. Später, wenn die Kommissare kämen. Erinnern an den Gestank und wie man Frau Schmatulke eigentlich schon länger nicht mehr gesehen hatte.

Als ob sich auch nur einer von denen Gedanken um seine Frau gemacht hätte, dachte Alexander voller Ingrimm, als noch Gelegenheit dazu gewesen wäre. Sie mal besucht hätte. Gefragt, wie es ihr geht. Aber das wußten wir ja alle, wie es ihr geht. Ging. Gegangen ist. Scheiße ist es ihr gegangen. Gefühlt seit Ewigkeiten schon. Deswegen war sie auch in einer Tour am Keppeln gewesen. So daß er schließlich keine andere Möglichkeit mehr gesehen hatte als sie zu erlösen. War doch kein Leben mehr gewesen mit der Alten. Für sie nicht und genausowenig für ihn.

Endgültig in ihm gereift war dieser Entschluß, nachdem er, verblüfft über sich selber, beim Anblick einer gewissen jungen Dame die, wie er, jeden Morgen mit dem halb-8-Uhr Bus in die Stadt fuhr, in seiner Brust ein Jubeln verspürt hatte. Ein Zerren und sehnsüchtiges Ziehen. Eine unpackbare Freude, die beim Anblick des Mädchens immer wieder aufs Neue entfacht wurde.

Natürlich war er nicht so vermessen, sich altem Trottel bei so einem jungen Ding, wahrscheinlich Studentin denn sie stieg immer bei der Uni aus, Chancen ausrechnen zu wollen. Niemals. Da mußte man schon auf dem Teppich bleiben.

Die Gefühle jedoch, die sie in ihm hervorrief, die wollte er auskosten. Diese lang schon vergessenen, vergrabenen, und nun unverhofft erneut zum Leben erweckten Gefühle. 

Spüren. Genießen. Träumen. Davon, was wäre, wenn. Wenigstens das. Ein kleines, bittersüßes Glück. Welches ihm seine Frau mit ihrem fix ins Gemüt eingestanzten Mißmut einfach nicht gönnen wollte. Einfach nichts Positives um sich herum zuließ. Die Atmosphäre in der Wohnung dauerhaft vergiftete. Mit ihrer quäkenden Fragerei beispielsweise, wo er so lange gewesen, wenn er auch nur ein Viertelstündchen später als gewohnt von der Arbeit nach Hause kam. Entenleber mitbrachte, die ihr zu fettig war obwohl sie sie sich am Morgen noch gewünscht hatte. Barsch, der ihr zuviele Gräten hatte oder Erdbeeren, die ihr nicht reif genug erschienen.

Weil der Greißler am Eck eh ein Gauner war und hätte sie das nicht immer schon gesagt?
Hatte sie.

Also mußte er sie erlösen. Vom Greißler, vom Leiden und von ihm. Ihrem Nichtsnutz von Ehemann der endlich zum Leben erwacht war. Zu einem Leben, das er ohne sie und ihr permanentes Gemecker zu führen gedachte.

Und nun der Stromausfall. 
Natürlich hätte er die Leiche nicht ewig in der Gefriere verstecken können. Irgendwann wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem er seine Frau als vermißt hätte melden müssen. Vom Einkaufen nicht zurückgekommen, beim Greißler, von dem man ja wußte ...

Aber doch jetzt noch nicht! Noch ehe er Gelegenheit gehabt hatte, sie portionsweise zu entsorgen!

Am nächsten Morgen fand er sich, nolens volens, mit einem leider deutlich miefenden Packerl in seiner Aktentasche auf dem Weg in die Arbeit. In einem großen Krankenhaus sollte es doch möglich sein, etwaige Teile, die bei einer OP übrig geblieben waren, zu entsorgen. Und wenn da mal ein bissl mehr lag ... seine Kollegin von der OP-Reinigung, die ihm auch die Knochensäge stibitzt hatte (er selber arbeitete in der Sterilisation und war leider nicht in einer Position, wo man einfach mal ein Gerät beiseiteschaffen konnte) würde ihm hierbei vielleicht weiterhelfen?

Doch der Weg zur Arbeit war lang und der Sommer bereits jetzt am Morgen drückend heiß. Sehr heiß. Am Hauptplatz stieg wie immer seine Angebetete ein, dieser frische Hauch in seinem neuen Leben ... doch noch bevor er mit seiner Aktentasche von ihr abrücken konnte, schließlich wollte er nicht, daß sie dachte er hätte sich nicht geduscht, zwinkerte sie ihm zu und meinte: 'Keine Sorge, ich kenne diesen Geruch. Ich arbeit grad unten auf der Prosektur. Ich studier Humanmedizin, zweites Semester.'

Alexander erstarrte. So schnell war also das Ende gekommen ... würden sie ihn nach Kaisheim bringen - oder vielleicht gleich nach Stadelheim zu den ganz harten Jungs?

Die Studentin plauderte munter weiter: 'Ich hab auch mal einen Hirschen zusammengefahren. Natürlich völlig unabsichtlich. Weit und breit niemand, also das Tier in den Kofferraum und ab dafür. Und dann aber drauf vergessen. Tja, wohin dann mit der Leich? DAS war vielleicht eine Sauarbeit sag ich Ihnen, bis wir die Teile entsorgt hatten. Mein Freund hat mir geholfen. Haben Sie auch einen Freund oder müssen Sie alles alleine machen? Aber warum ich Sie anspreche, Sie hätten nicht vielleicht den einen oder anderen dicken Knochen übrig für uns? Wir machen grad Versuche mit Fadenankern und an menschliche Knochen kommt man ja sooooooooooooooooooooo schlecht ran.'

Alexander schluckte. Menschliche Knochen. Hätte er durchaus anzubieten jetzt. Jede Menge. Aber wie erklärt man das einer harmlosen Medizinstudentin?

'Drogentote', brachte sich sein Gegenüber wieder zu Gehör, ungeachtet dessen, daß bereits die halbe Bahn interessiert zuhörte. 'Drogentote sind super, wenn die keine Angehörigen haben die sich kümmern, dann kriegen wir die manchmal. Aber natürlich sind die Knochen dann auch nicht mehr sooooooooooooooooooo dolle beinand.'

In Alexanders Kopf spielte unerklärlicherweise ein Orchester in minimaler Besetzung das alte Lied: 'Es zittern die morschen Knochen der Welt vor des Todes Sieg ...' oder sowas in die Richtung. 

In seinem Inneren tobte ein Kampf. Was sollte er nun machen? Freundlich lächelnd die gute Frau verabschieden und sich extrem zeitnah um die weitere Vernichtung seiner Frau kümmern oder - um ein zweites Treffen mit der Angebeteten zu erheischen - sich als Sozialarbeiter vorstellen der REIN zufällig einen Drogentoten zu betreuen hatte bei dessen Verfolgung er leider diesen Hasen überfahren hatte dessen sterbliche Überreste er nun in seiner Aktentasche herumtrug in der Hoffnung, diese in der Klinik unbemerkt verschwinden lassen zu können?

Als hätte sie seine Gedanken gelesen, nahm Wanja, wie sie sich ihm nun vorstellte, die Entscheidung gekonnt in ihre russischen Hände und meinte: 'No schauen Sie, Sie kommen heute einfach ein bissl später in die Arbeit rauf, und ich zeig Ihnen derweil wo man bei uns unten die Resterln hintun kann. Damals wie ich noch in Wien studiert hab, wars ein bissl einfacher, die Österreicher haben's nicht so mit dem Reglement, aber dafür gehen die Deutschen immer davon aus, daß sich ALLE an die Regeln halten, so kommt man leichter dazwischen.'

Inzwischen waren sie angekommen, stiegen in den Lift nach unten und Wanja zeigte ihm stolz 'ihr' Reich, die Prosektur. Ein bissl wie in einem dieser japanischen Hotels mit den sehr engen Zimmern, nur daß in den 'Zimmern' Tote lagen und auf die Obduktion warteten. Menschen in weißen Kitteln wuselten durch die Gegend ohne sie beide zu beachten. Die Räume mit den meterhohen Plafonds standen voll mit frisch gewienerten blanken Liegen aus Chrom und Stahl, jedoch aktuell alle unbelegt worüber sich Alexander sehr freute. Noch mehr Leichengestank hätte er jetzt nicht noch gebraucht. A propos Leichengestank ... unauffällig stupste er Wanja in die Seite und deutete auf seine Aktentasche.

Diese grinste und meinte: 'Müssen wir noch ein bissl warten, sind grad zuviele Leute umadum. Komm mit, ich zeig dir derweil mal die Veterinärmedizin. Noch bevor Alexander die Chance gehabt hätte, etwas zu sagen, nahm sie ihn bei der Hand und zog ihn hinter sich hier durch ein Gewirr von Gängen, ein Kaninchenbau war nichts dagegen. Wie soll ich hier jemals wieder herausfinden, dachte er kläglich ... doch schon stoppte Wanja vor einer Türe und lugte vorsichtig hinein. Schlüpfte hindurch und winkte ihm, ihr zu folgen. Todesmutig betrat Alexander hinter ihr das Zimmer und erstarrte. Ein riesiger Saal voller Schafe! Eins nach dem anderen pittoresk auf einer Liege plaziert, doch keins gab auch nur den geringsten Laut von sich. 

'Sind die alle ... tot?' fragte Alexander und räusperte sich mehrmals, seine Stimme schien ihm hier unten nicht mehr wirklich zu gehorchen. 'Ach woher, die machen einfach nur Versuche mit denen. Jetzt schau nicht so mitleidig, immer noch besser als wenn die an Menschen rumexperimentieren, oder? Magst mal ausprobieren? Komm, leg dich doch mal hier auf die freie Liege!' Grinsend schob Wanja den stolpernden und mittlerweile todbleichen Alexander rückwärts auf eine der Stahlliegen zu. Verzweifelt versuchte sich dieser zu wehren, ließ seine geliebte Aktentasche zu Boden fallen, ruderte mit beiden Armen, aber keine Chance, Wanja war nicht umsonst in Russland zur Schule gegangen. Sie wußte wie man kämpft.

Am Ende lag Alexander festgeschnallt neben den Schafen auf einer Liege und mußte hilflos mitansehen, wie Wanja routiniert eine Spritze aufzog und sich ihm damit näherte.

'Mußt du keine Angst haben Alexejowic, ist schnell vorbei. Du hast ewige Ruhe (sie deutete zwinkernd auf seinen Ehering) und wir haben ein feines Paar Humeri für unsere Forschung. Win-Win Situation, wie ihr das hier nennt.'

Alexander hätte noch soviel zu sagen gehabt. Daß er ihr ebenfalls zwei Humeri bringen könnte von daheim, daß er doch garnicht mehr verheiratet sei und daß er sie liebte ... aber dazu war es jetzt zu spät. Mit einem letzten Blick in die Augen seiner schönen Mörderin verabschiedete er sich von dieser Erde und nahm all seine frisch wiederentdeckten und letztendlich doch unausgelebten Träume und Sehnsüchte mit sich hinüber in die Anderswelt. 
















Sonntag, 9. April 2023

The Turnaround

 



Later, you don't ever remember whose idea it was. You know the scenario: You sit and talk with friends, you drink, then you drink some more, and all of a sudden somebody comes up with a plan everybody present considers safe, sound and ABSOLUTELY brilliant.

The task at hand was to liven up the upcoming boring but mandatory Christmas party. Same old, every year. We were supposed to wear our 'Anserpanier' as they say in Vienna, meaning our Sunday best, to be courteous and make sure not to drink too much because, same as every year, invitations to some of the high-up bosses and important benefactors of our Clinic had been sent out. So far, not one of them has ever shown up.

Nevertheless, because it was important to leave a good impression SHOULD one of them ever grace our halls with their presence, everyone was admonished to be on their best behaviour or else we would end up in Sensengasse - the building which houses the famous Department of Forensic medicine - to have the First Year Students practise on us. Of course we wouldn't want that so during our first years we tried to pull ourselves together.

Meanwhile, however, our training as resident doctors was almost finished, we had lost almost all respect of the authorities and were full of mischief.

We finally decided that each of us should grab a goodie from the drug cabinet and fake a documentation of the withdrawal. Since we were working different shifts, it would be impossible to blame the deed on any of us. They would have to concentrate their investigations on an outsider.

We would then spike some of the drinks, put them on a special tray so as not to inadvertently down one ourselves, and see what would happen. Sounds immature and childish, I know, but too much work and no fun for years and years does that to you.

At first everything seemed to work out fine. People mingled, talked, pretended to have fun and nibbled elegantly on the food from the cold buffet.

I went outside for a cigarette. The clinic garden was deserted, the patients all hopefully asleep in their beds, and for a december night it was unusually balmy. I took a deep breath and while I still wondered if I should contaminate the lovely air with one of my pongy fags, somebody appeared next to me and handed me a drink. 'Aw mate, thank you!' I breathed, and tried to fathom out the identity of my gracious benefactor. What with the light behind him, I couldn't see his face. He merely patted my shoulder and was gone again. Curious. Strange fellow. Well, never a one for being picky when it comes to alcohol, I lit my cigarette after all and enjoyed my solitary drink on the now empty patio.

Afterwards, back in the overheated and crowded room, I soon noticed an unwelcome dizzyness creeping up my spine. God, what a dreadful party. Hadn't I been here for long enough? Perhaps I could just sneak off without anyone noticing? Surreptitiously I tried to make my way towards the cloakroom when all of a sudden my vision cleared and everyone in the room looked like playmobile figures with silly smiles pasted onto their faces. Bubbles of laughter rose from my belly and I was just about to break into a fit of laughter, when a big, lilac-haired monster stepped into my path and regarded me sternly. Oops. His mouth opened and closed as if it was trying to talk to me, but no sound could be heard.

I summoned all my courage and shouted 'I'm NOT afraid of you! After all I'm a surgeon and so far I have killed numerous people instead of helping them and it's all your fault!'
The monster turned tail and fled without further ado.
Grinning smugly I turned, went to get my coat and left for home.

The morning after, our Senior Consultant looked at me gravely. 'I have no words for your conduct at the party yesterday!', he started the conversation. I had no idea what he was talking about, so I just stared at him uncomprehendingly and let him continue.

'You insulted a major member of a leading pharmaceutical company. THE company which has sponsored our Clinic most generously. How could you!!!'

I still didn't get it. But then it dawned on me. The spiked drinks, the monster …
I put my head in my hands and groaned.

My superior droned on and on about how it was one thing to be blind drunk at an office party, but to betray the medical profession in a way that made the whole Clinic look like a bunch of morons … I zoned out.

My life was over. My career was in smithereens and I could be lucky to get a nursing job in a small hospital in the Weinviertel where they have never heard of the recent ongoings in the Vienna AKH.

Out in the corridor again, my phone rang. My friend and now ex-colleague Wolfgang shouted into my ear: 'Franzl, you are on Facebook! Somebody filmed you with the pharma guy and the vid has gone viral! You're bloody famous!!!'

Oh no! The whole world was witnessing my ruin! I was doomed! I wouldn't even get a cleaning job anymore. My parents would disinherit me and my landlord would … the phone rang again. 'Listen to me, you don't know me but I saw your video on facebook …' 

I disconnected. Shit! Journalists! I would have to get a new phone number and bury myself somewhere in the Arctic Circle or perhaps Tanzania …

The phone rang again. 'Look,' I bellowed, 'I don't care who you are, I'm not talking to the press, all right???' 'Wait a moment son, I'm not a journalist, I am a doctor like you and I have an offer to make. Please hear me out. I am an ENT specialist from Germany and I loved what you said to that guy. You're a hero. We need ppl like you. I would like to offer you a job which would enable you to finish your education and … are you still there?'

'Well yes, I am …', I mumbled. 'What kind of offer are you talking about?'

'Not on the blower, son. Let's say tonight 8pm Aida Kärntnerstrasse?' With that, he hung up on me. Boy, what a weirdo. Did he really expect me to believe a word he was saying???

Three months later, Tansania:

I am sitting in my hotel room and feel like the luckiest man alive. I am now hotel doctor in this posh residence, a well-paid job, lovely weather most of the time and enough time off to finish my studies.

Of course I went to the suggested meeting back in Vienna, and the guy who awaited me there turned out to be a representative of this ENT specialist who became famous during the pandemic because he organised demonstrations and was considered a truly subversive character. So he had to flee to Tansania and has meanwhile bought himself into a hotel there. We are now building a worldwide 
net with the ultimative goal ​to revolutionise ​the healthcare​​​ system. We want to help the patients - not line the pockets of the pharmaceutical industry.
We are the future!!!




Freitag, 24. März 2023

Früher war mehr Lametta, seufzte der Opa



Wieder einmal stand Weihnachten vor der Türe und dieses Jahr würde die Stimmung daheim bei den Eltern noch gespannter sein als sowieso schon. Einfach nicht hinfahren? Das wollte ich meiner Mutter nicht antun. Wie ich sie kannte, hatte sie bereits vor Wochen angefangen, Plätzchen zu backen und alle Geschenke liebevoll zu verpacken. Meinem Vater jedoch würde ich am liebsten nie wieder unter die Augen treten. 


Eigentlich beginnt diese Geschichte schon kurz nach meiner Geburt, bei meiner Taufe. Natürlich habe ich meine Eltern schon relativ früh gefragt, warum sie mich ausgerechnet James genannt haben. Mein Name ist James. James Bunt. Kinder können so grausam sein … und ich war nie ein Typ der sich gerne prügelt. Also brauchte ich einen Beschützer, was die ganze Sache noch peinlicher machte. James Bunt, das Weh des Jahrtausends.


Mangels älteren Bruders, oder überhaupt eines Bruders, hatte ich mich damals nach dem Wechsel auf die Oberschule an einen kräftig aussehenden Burschen zwei Klassen über mir rangewanzt, der - natürlich um entsprechende Gegenleistung - dazu bereit war, meinen Peinigern tatkräftig die Leviten zu lesen.


Diese Gegenleistung bestand darin, das Wochenendhaus meiner Eltern für Partys zur Verfügung zu stellen, was natürlich alles heimlich zu erfolgen hatte. Ich war also nicht nur in der Pflicht, meine Eltern zum verabredeten Zeitpunkt so weit wie möglich vom Wochenendhaus entfernt zu halten (habe ich erwähnt, daß ich Theatervorstellungen hasse?) sondern auch, hinterher alles wieder picobello aufzuräumen.


Jetzt ist es so, daß meine Eltern, wenn wir am Wochenende in den Garten wollten, natürlich mit dem Auto rausgefahren sind. In die Pampa. Zum Wochenendhaus. Meine partyfreudigen Schulkollegen hatten ihrerseits immer jemanden dabei, der schon einen Führerschein hatte, die konnten also ebenfalls mit dem Auto hin. Aber was sollte ich machen? Gerade einmal 11 Jahre alt, konnte ich nicht einmal mit einem Moped fahren, der Bus fuhr nur alle heilige Zeiten einmal und niemals dann, wenn ich ihn brauchte. Also mußte ich, wenn ich frühmorgens nach einer Party aufzuräumen hatte, den langen Weg mühsam mit dem Fahrrad zurücklegen, nach einer kurzen Nacht (wir erinnern uns: kulturelle Veranstaltung mit den Eltern …) und voller Panik, daß die Zeit nicht reichen würde oder daß etwas Unersetzliches zu Bruch gegangen war.


Und da heißt es immer, die Jugend hätte keine Sorgen?


So verging die Zeit
ich war inzwischen 17 Jahre alt und einmal wieder kam ich atemlos am Grundstück meiner Eltern angekeucht. Noch immer am Radl, da sich ein Moped budgetär bisher noch nicht ausgegangen war.


An diesem Morgen konnte ich über den neuesten Streich der Bande nicht einmal mehr lachen. Unser Grundstück hatte die Nummer sieben (auch das noch) und einer der Spaßvögel hatte zwei Nullen davorgehängt, so daß nun ein fettes 007 am Gartentürl prangte. Ich war begeistert.


Drinnen erwartete mich das übliche Chaos. Das gute Geschirr stand verschmutzt und verschmiert in der Gegend umeinander und natürlich hatten sie die Unterteller wieder benutzt um ihre Tschik auszudämpfen. Ich konnte ja noch froh sein, daß sie wenigstens soweit mitdachten und die Stummel nicht einfach achtlos auf den Boden warfen.


Dennoch kostete es mich viel Mühe und Kraft, den verkrusteten Dreck so abzuschrubben, daß keine Spuren blieben. Meine Mutter legte viel Wert auf ihr Geschirr, und Aschekrusten hätte sie sofort bemerkt. In unserer Familie rauchte keiner. Ich frag mich eh, wieso sie den Geruch noch nie kommentiert hatten, aber bisher hatte ich Glück gehabt. Im Gegensatz zu den Eltern so einiger Freunde, die zu ihrem Verdruß fast jedes Wochenende mit der Familie am Arsch der Welt verbringen mußten, machten meine Eltern relativ wenig Gebrauch von ihrem Wochenendhäuschen. Manchmal frage ich mich, warum sie überhaupt eins hatten. Aber wer weiß, was die Rabauken ansonsten von mir verlangt hätten. Kaufhausdiebstahl oder gar sexuelle Dienstleistungen? So anstrengend es war, so hatte ich doch mit dem Partydienst noch das bessere Los gezogen.


Verschwitzt und müde sah ich mich nach getaner Arbeit um und wollte soeben das Häuschen verlassen, da hörte ich draußen ein Auto vorfahren. Oh nein, doch nicht etwa meine Eltern? Am Vorabend war nicht die Rede von einem geplanten Gartenwochenende gewesen, so daß ich mich relativ sicher gefühlt hatte. Vorsichtig spitzte ich durch die Gardinen: Hm, nein, das war nicht der Wagen meiner Eltern. Ein völlig unbekanntes Gefährt war direkt vor unserem Grundstück geparkt, soeben schlugen die Autotüren zu, zwei breite Gestalten in Lederjacken schwangen sich über das Gartentürl - und marschierten direkt auf den Eingang zu. Woher wußten sie, daß ich im Haus war? Waren dies zwei der Partyteilnehmer, die etwas vergessen hatten? Sollte ich mich verstecken oder besser ganz harmlos tun und sie freundlich begrüßen? Während ich noch mit mir selber diskutierte, waren sie bereits durch die Türe gekommen und schauten sich wohlwollend um. Mich beachteten sie dabei überhaupt nicht, was mich etwas nachdenklich stimmte.


‘Sog, wos manst? Die totaaal leiwande Location fia an Füm, do hod a amoi a guate Idee ghobt, da Burli!’

‘Jo eh, paaaaßt’


Film? Was für ein Film? Und wer war ‘Burli’? Doch nicht etwa Jacko, mein Beschützer mit dem breitbeinigen Gang und dem kräftigen Kreuz? Nun, neben diesen beiden Gestalten sah sogar er ein wenig schmächtig aus. Ich verschwand förmlich in meiner Ecke, was womöglich erklärte, warum sie mich erst jetzt zu bemerken geruhten.


‘Heast dooo schau her, wen homma denn do? Do is jo jemand zhaus! Wia sogt ma waun wea auf Bsuach kummt? No, wie sogt ma???’ Der Schnauzbart des Sprechers war beeindruckend, sein Grinsen zwar spöttisch aber nicht direkt unfreundlich.


Ich faßte mir ein Herz und sprach: ‘Ah, guten Tag allerseits, mit wem habe ich die Ehre?’


Die beiden Strizzi verschluckten sich beinah vor Lachen: ‘Mit wem hobe ich die Ehre, haahaaaah, Oida, du bist da Gupf wiakli, du gfoist ma … heast wüst mitspün? Jo eh I hobs, du gibst an Battla, dea wos die Leit begriaßn duat, wauns kumman, oiso am Aunfang, ned danoch, hahahaaaaaaaaaaaaaaaaaa…’


Ich schluckte trocken. Butler? Leute begrüßen? Film? Die Gedanken wirbelten völlig haltlos in meinem Schädel umeinander, ohne sich jedoch zu einem fertigen Bild zusammenfügen zu wollen. Was hatten die beiden vor und wie konnte ich es verhindern???


‘No, wiara schaugt, da Klaane. Paß aaaauf, I dua’s da ausdeutschn’ wandte sich Schnauzbart erneut an mich: ‘Mia woin an Füm drahn, oiso an SEXFÜM, vastähst? Do brauchat ma a location, und die homma mia etzn g’fundn. Nämlich genau DO. Also HIER, soweit kloa? Wia schaugt’s aus mit deine Oidn? Maanst des geht si aus fia a poa Tog nächste Wochn? Sogma bis Donnastog?’


Du meine Güte, einen Sexfilm in unserer Hütte, und gleich ein paar Tage lang? Immerhin unter der Woche, aber was wenn mein Vater nach der Arbeit … man wußte ja nie …


‘Hot’s da die Red vaschlogn Klaana?’ fragte Schnauzbarts Kumpel, dessen massiver Schädel, völlig haarlos und glattpoliert, in der durch das Fenster hereinscheinenden Morgensonne glänzte.


Ich räusperte mich und versuchte, mich wie jemand zu verhalten, der einem wilden Tier furchtlos gegenübertritt um es zum Einhalten zu bewegen: ‘Meine Herren’, sprach ich mit belegter Stimme, 'ich fürchte hier liegt ein Mißverständnis vor. Dieses Wochenendhaus gehört meinen Eltern und ich kann mir nicht vorstellen, daß eine unsachgemäße Nutzung über Tage hinweg von ihnen oder auch unseren Nachbarn unbemerkt bleiben würde. Um zu verhindern, daß das Ganze ungut auf einem Polizeiposten endet, sollten wir von diesem Gedanken grußlos Abschied nehmen.’


Die beiden starrten mich sprachlos an. Schnauzbart faßte sich als erster wieder und wandte sich fragend an seinen Kollegen: ‘Hob I des jetzt richtig verstaundn? Des Bürscherl droht uns mit der Kieberei? I hau mi oh!’


Drohend trat er einen Schritt auf mich zu, doch der Gedanken an den Zorn meiner Eltern verlieh mir ungeahnte Kräfte und ich blieb stehen wo ich war. Die Hütte begann, sich um mich zu drehen und ich fixierte einen Punkt zwischen Schnauzbarts Augen. Ich hatte genug davon, in ständiger Angst leben zu müssen. Was hatte mir meine jahrelange Opferbereitschaft eingebracht, wenn nun immer noch mehr Leute daherkamen und die Hütte meiner Eltern für ihre Zwecke mißbrauchen wollten?


Schnauzbart und ich starrten uns gegenseitig an, der Kumpel stand irgendwie daneben, ich nahm ihn nur undeutlich aus den Augenwinkeln wahr … dann trat Schnauzbart einen Schritt zurück und die Spannung löste sich.


‘I schlog da an Deal vua’, sprach er. ‘I frog mi eh, fia wos du an Jacko no brauchst, bist eh a leiwanda Bursch, ka Weh ned des wos a Nanny brauchat. Oiso baß auf. Mir drahn an Füm, dabei bleib ma, oba mia kanntn dia wos zoin dafia. Sog ma 10 Prozent vom Gewinn?’

‘25 Prozent!’, pokerte ich mutig.

‘20 und aus’, kam es zurück und eine Hand tauchte fordernd vor meiner Nase auf.

Ich schlug ein … und fragte mich gleichzeitig, wie Schnauzbart es nun doch geschafft hatte, mich zur Mithilfe bei diesem irrsinnigen Vorhaben zu bewegen. War es die Aussicht auf einen nicht unerheblichen finanziellen Gewinn (das Moped rückte auf einmal in erreichbare Nähe …) oder war es seine lobende Feststellung, daß ich doch kein Weh sei, wie man offenbar geglaubt hatte sondern ein durchaus ernstzunehmender Geschäftspartner? War ich auf einen miesen psychologischen Trick hereingefallen?


Eine Woche später


Schwitzend stand ich in vollkommener Anserpanier (= bester Anzug, Anm. d. Verf.) vor dem Häuschen meiner Eltern. Man hatte mir einen Anzug aus dem Kostümfundus verpaßt, damit ich stilgerecht die eintreffenden Gäste begrüßen und ins Haus bitten konnte. Nicht nur kam ich mir total albern vor, ich verging fast vor Angst, daß einer der Nachbarn uns bemerken und meine Eltern bei nächster Gelegenheit darauf ansprechen würde, was sie denn da für einen ungewöhnlichen Auflauf in ihrem Grundstück veranstaltet hätten. Es grenzte eh an ein Wunder, daß es bisher noch keinen Ärger wegen der Partys gegeben hatte, aber die fanden ja auch in der Nacht statt wo der Aufenthalt in der Gartenanlage an sich verboten war. Also auch für die Nachbarn. 


Glücklicherweise hatten mittlerweile die Sommerferien begonnen und die meisten Wiener hatten die Stadt verlassen. Alte Weisheit: Nur Touristen und Wahnsinnige halten sich im August in der Stadt auf. Auch ich hätte mit meinen Eltern ans Meer fahren sollen, doch hatte ich sie überzeugen können, daß ich nun alt genug sei um auch einmal drei Wochen ohne Aufsicht bleiben zu können und sie hatten schließlich eingelenkt. Umso peinlicher wäre es nun, wenn ihnen ein Nachbar davon berichten würde, was ihr ungezogener Filius in ihrer Abwesenheit so getrieben hatte.


Das erste vorfahrende Auto riß mich aus meinen ungustiösen Überlegungen und ich nahm Haltung an. Wiehernd schälten sich meine Freunde und Geschäftspartner Schnauzbart und Glatze aus ihrem Auto und kamen auf mich zu: ‘No, da Hea Battla, sea leiwand wirklich, fost wia echt steht er da, ha? Jetzt boß auf, du bist no ned dran, z’erst kumman die Leut mid an Tape und mit an Licht und so, des dauat no a Weile, konnst des Teil wida ausziehn, bei der Hitzn verlaufst jo. Geh in Gartn ausse, mia holn di scho wann ma di brauchn, ok?’


Das mußte er mir natürlich nicht zweimal sagen. Erleichtert legte ich den Anzug ab, zog meine geliebten Shorts an und verzog mich nach hinten auf die Hängematte. So genau wollte ich lieber nicht wissen, was die Leute im Haus alles anstellen würden. Nur gut, daß ich hernach noch zwei Wochen Zeit haben würde um alles wieder soweit wie möglich in Ordnung zu bringen. Wenn nur die Nachbarn nicht wären …


Sorgenvoll starrte ich in die Zweige des Apfelbaumes, der dieses Jahr wieder reich getragen hatte und noch immer voller Äpfel hing, die meine Mutter vor ihrem Urlaub nicht mehr alle hatte pflücken und verarbeiten können. Hatte ich nicht auch versprochen, mich um den Garten zu kümmern? … Seufzend stand ich wieder auf und holte einen Korb aus dem Schuppen. Die Beleuchter waren, wie ich sah, mittlerweile eingetroffen und trugen riesige Scheinwerfer ins Haus. Wie das ganze Equipment hineinpassen sollte, war mir ein Rätsel. Vor allem wenn dann auch noch die Darsteller kamen.


Als ich mich gerade nach einem besonders weit oben versteckten Apfel streckte, hörte ich hinter mir eine wohlbekannte Stimme: ‘Heast James, bist du des?’ Vor Schreck ließ ich die soeben erhaschte Frucht fallen und drehte mich langsam um. Vor mir stand Vera, der Schwarm der gesamten Schule. Seit Jahren schon war ich in sie verschossen aber natürlich hatte sie mich bisher keines Blickes gewürdigt. Ich wußte nicht einmal, daß sie meinen Namen kannte! Keck blinzelte sie mich an, hob dann den heruntergefallenen Apfel auf und streckte ihn mir lächelnd entgegen: ‘Willst mein Adam sein heute? Bissl a Sünde und so?’


Mein Gesichtsausdruck muß wohl wenig intelligent ausgesehen haben, denn Vera brach in helles Gelächter aus und rief: ‘Maaaa James, schau doch ned so verschreckt! I hob ned g’wußt daß mir in deiner Hüttn drahn - oba wannst scho amal do bist … mogst ned mitduan?’

‘Ich spiel eh mit’, krächzte ich. ‘Ich soll den Butler geben, der am Eingang steht.’

‘In der kurzn Hosn?’

‘Naaa, sicher ned, I hob an Anzug kriagt, oba I bin no ned dran.’

Bevor ich den Apfel in Sicherheit bringen konnte, hatte Vera mich durch die Hintertür gezerrt und während ich mich noch wunderte, wieso sie sich hier so gut auskannte, standen wir uns im Kammerl für die Blumentöpfe gegenüber ...

Über die folgende Szene würde ich liebend gerne den Vorhang des Vergessens fallen lassen, aber wie es im Leben oft so ist ... sind es so ganz kurze Momente, in denen man brutale Fehlentscheidungen trifft, welche wiederum Geschehnisse nach sich ziehen, die das gesamte Leben verändern können.

Ich hatte mich nicht nur vor Vera komplett zum Narren gemacht, unerfahren und total verknallt wie ich war, aber immerhin hatte ich gedacht sie findet mich zumindest süß und wollte mich deswegen verführen.

Spätestens jedoch als ich kaum unterdrücktes Prusten und Schnauben durch die dünne Bretterwand hörte, bin ich draufgekommen, daß hier irgendetwas nicht stimmte. Vera versuchte zwar noch, mich zurückzuhalten, schließlich war ich viel zu früh gekommen und sie hatte nicht viel von meinen unbeholfenen Bemühungen gehabt, aber ich rappelte mich schleunigst auf, fuhr in meine Shorts und stürmte ins benachbarte Wohnzimmmer.

Dort saßen sie lustig beinander vor einem Monitor, der unser Besenkammerl mit der sich grummelig räkelnden Vera abbildete - Glatze, Schnauzbart und zwei Techniker - und drehten sich bei meinem überstürzten Eintritt grinsend zu mir um: 'Warum so eilig, da Hea Boanostar? Schau, die Vera hätt no Lust g'habt, wüst ned no a Zugab ...'

Weiter kam Glatze nicht, denn ich hatte mich blind vor Wut und Scham auf ihn gestürzt und hing ihm an der Gurgel noch bevor die anderen reagieren und mich von ihm wegzerren konnten. 'Geh spinnst Oida? Etzn dua di obregn und mia regln des unta uns Männer, ok?', warf Schnauzbart beschwichtigend ein, als ich mit hochrotem Gesicht, mit Mühe aus dem harten Griff der Techniker entkommen, schwer atmend  neben ihm stand. 'Schau, die Vera mog di und wie mir ihr g'sogt hom, doß ma schon a bissl eine Absicherung brauchatn, damit du ned hintahea no zur Kieberei rennst, hod sie vurg'schlogn, doß ma a klane Szene mit dir drahn, sozusagen Verführung einer männlichen Jungfrau. Doß des SO authentisch rüberkommt, hätt ma si ned vurstöhn kennan, owa es woa voi leiwand und moch da kane Suagn ned, des is nua fia uns, wegen da Absicherung hoit, vastehst? Oiso, ned dua di anscheißn, etzn richtest di a bissl her und dann gibst uns den Battla, wia man ausg'mocht hom, d'accord?'

Verwirrt und beschämt verschwand ich im Badezimmer und versuchte, mich in einen Butler zu verwandeln, wie er eines vornehmen und hochherrschaftlichen Paares würdig war, auch wenn dieses Paar nur Vera und der Schnauzbart waren, denen ich nach dieser G'schicht am liebsten nie mehr unter die Augen getreten wäre.

Was ich damals in meiner grenzenlosen Naivität nicht ahnte war, daß die Gauner meine Sexszene sehr wohl in ihren Film hineingebaut hatten. Und ich hätte es wohl niemals erfahren, da ich mir dieses Machwerk ganz sicher niemals hätte anschauen wollen ... wenn, ja wenn nicht mein Herr Vater eines nicht allzufernen Abends mit einigen seiner Kollegen einen ungewöhnlich gewinnträchtigen Geschäftsabschluß hätte feiern wollen und sie ausgerechnet in einem Etablissement gelandet waren, in dem man nicht nur bei einem überteuerten Getränk sehr knapp bekleidete Damen dabei betrachten konnte, wie sie sich um Stangen wanden oder sich miteinander vergnügten ... sondern wo in einem Nebenraum auch Pornofilme liefen. 

Das Gesicht meines Vaters mag ich mir jetzt nicht vorstellen, das er gezogen haben muß wie er da angeheitert saß und sich johlend mit seinen Kollegen 'den deppatn Schas do' ang'schaut hat und auf einmal sieht er nicht nur seinen Sohn als Butler vor seinem eigenen Wochenendhäusl stehen und lauter Verrückte begrüßen, die da wie selbstverständlich hineinmarschieren, sondern muß obendrein ungläubig mitansehen wie sein Bub hernach überlebensgroß und in Dolby Surround aus seinen Shorts stolpert und sich, patscherter geht's wirklich nimmer, von der Vera zeigen laßt wie man in eine Frau hineinfindet und was man dort zu tun hat und zwar ohne gleich abzuspritzen weil das Vergnügen ja idealerweise auch für die Frau eins sein sollte.

Mein Glück im Unglück war, daß er kein Riesentheater machen konnte ohne zugeben zu müssen, diesen Film gesehen zu haben. Was ja nicht geht, vor der Mama. Aber sobald er mich alleine erwischt hat, hat er natürlich nicht mit wechselweise erbosten Anschuldigungen und spöttischen Bemerkungen gespart.

Nun war ihm auch klar, wieso ich damals nach jenem Sommer, kaum daß ich 18 geworden war, so schnell von daheim ausgezogen war. Nach dieser Sache wollte ich natürlich niemandem aus der Schule mehr begegnen.

Nach Hause kam ich seither nur mehr unter der Woche, die Mama alleine besuchen - oder eben an Weihnachten. Bisher war der Opa auch immer dabeigewesen, wir hatten ihn fürs Fest aus dem Heim geholt und er hatte die Atmosphäre aufgelockert. Alter Veteran der er war und stocktaub obendrein, hatte er jeden der Gäste angeschrien ob er beim Heer gewesen sei, zwischendrin hat er, beim Anblick der undekorierten Jackenaufschläge, in sein Supperl geseufzt: Früher war mehr Lametta!

Aber der Opa war vorigen Sommer gestorben. Nun würde man keine Gäste mehr einladen müssen um von ihm abzulenken, es würde ein 'trautes Familienfest in kleinstem Kreise' werden, wie die Mama mir bei meinem letzten Besuch freudig berichtet hatte. Ich seufzte, wie dazumal der Opa. Wieso mußte mein Vater auch ausgerechnet in dieses Pornokino gehen ...







Montag, 20. März 2023

Der mächtige Zauberer Skodefix

 Es war einmal ein Zauberwald, zu der Zeit als die Wälder noch groß und dunkel waren, in dem wohnte ein mächtiger Zauberer namens Skodefix. Diesem Zauberer gehörte fast der gesamte Wald, und jedes Jahr im Winter mußte er mit seiner Axt durch die Gegend marschieren und einige Bäume fällen, da der Wald sonst ZU dunkel geworden wäre und die Vögel, Eichhörnchen, Uhus und Kaninchen nichts mehr gesehen hätten.

Wenn es im Winter bitter kalt war, konnte es durchaus passieren, daß seine Axt in Sekundenschnelle an den Baum anfror, in den Skodefix soeben noch hineingehackt hatte, und er gar lästerlich fluchend daneben stehenbleiben mußte, bis es wärmer wurde und die Axt sich wieder löste.

Nun werdet ihr natürlich fragen, wieso er, wenn er doch so ein mächtiger Zauberer war, die Axt nicht einfach wieder weggezaubert hat vom Baum. 

Nun, wir haben eingangs ja bereits erfahren, daß ihm FAST der gesamte Wald gehörte. Nicht alles. Und in diesem Teil, der ihm NICHT gehörte, wohnte eine alte faltige Zauberin, die Skodefix seit vielen Jahrhunderten kannte und die ihm immer wieder einen ihrer lustigen Streiche spielte. Zumindest SIE fand sie lustig. Er meist weniger. Und eines Tages, als sie einmal wieder böse auf Skodefix gewesen war, was durchaus alle 100 Jahre einmal vorkam, hatte sie ihm seine Axt so verhext, daß er keine Macht mehr über sie hatte. Zwar konnte er damit nach wie vor wunderbar Bäume fällen, aber wenn sie feststeckte, oder angefroren war, dann war er so machtlos wie ein normaler Sterblicher und konnte nichts dagegen tun.

Eines Tages wachte Skodefix auf und fand, daß irgendetwas anders war als sonst. 'Frau', sprach er zu seiner Frau, 'irgendetwas ist heute anders. Hast du wieder meinen Schreibtisch geputzt und meine Zauberbücher dabei verrückt oder was ist los hier???' Seine Frau gähnte laut. 'Ich weiß nicht wovon du sprichst Mann. Ich habe garnichts geputzt und ich sehe auch keinen Anhaltspunkt dafür, daß irgendetwas anders wäre als sonst.'

Muffig schwang Skodefix die Beine auf den kalten Boden - im Zauberwald war es meistens ziemlich kühl und man mußte jeden Morgen erst ein Feuer machen bis es mollig warm wurde im Häuschen - und marschierte in die Küche. Dort traf ihn allerdings fast der Schlag. Er erkannte sofort, daß der Uhu, der dort freundlich grinsend auf dem Geschirrtuchhalter saß, niemand anderer war als seine alte Freundin, die faltige Zauberin Ethel.

'Sag mal spinnst du???', fauchte Skodefix leise. 'Einfach hier aufzutauchen! Wenn meine Frau was mitbekommt!'

'Ned dua di anscheißn', kicherte Ethel, welche ursprünglich aus Österreich kam was man nach all den Jahrhunderten manchmal immer noch deutlich hörte. 'Sie kennt mi ja ned, oiso wuascht.'

'Deine Nerven will ich haben', knurrte Skodefix. 'Was ist jetzt so dringend, daß du mir nicht einen Zettel ins Astloch hast stecken können wie sonst auch? Oder einen von den Zwergen aus Unterbergen schicken, wenn's grad eilig wär? Stattdessen hockst da bei mir in der Kuchl und verbiegst die Atmosphäre so arg, daß man es bis in die Schlafkammer spürt.'

'Grad um die Zwerge aus Unterbergen geht es', antwortete Ethel, plötzlich ernst geworden. 'Hast du gewußt, daß die Lederwerkstatt in Gefahr ist? Im Unterberger Brunnen ist auf einmal kein Wasser mehr sondern so ein komisches miefiges Zeug. Aber weil sie Durst haben, trinken sie es trotzdem. Der Vorarbeiter liegt seit einer Woche ganz grün unter dem Tisch und die Nähzwerge stechen sich ständig in die Finger weil sie alles doppelt sehen. Die Kundschaft ist verärgert weil die Nähte schief sind und bald werden sie zusperren müssen. Wo kaufst dann du deine Mäntel und so weiter ein? Hm? Ist das jetzt dringend genug für den Herrn Grummelmeister?'

'Du meine Güte!', rief Skodefix erschüttert. 'Das darf doch nicht wahr sein, sie hat es schon wieder getan! Dieses Mal bring ich sie um, ich schwöre es bei den Knochen meiner Großmutter!'

'Wer hat was getan, und außerdem hatte deine Großmutter Osteoporose, also laß das lieber sein mit der Schwörerei.'

'Distella. Die blöde Kuh!'

'Deine Ex?', staunte Ethel 'Ja aber - was hat die mit den Zwergen aus Unterbergen zu schaffen?'

'Die hat wieder den Brunnen manipuliert die dämliche Gans! Und die armen Zwerge vertragen doch keinen Alkohol. Das weiß sie genau und deswegen macht sie so einen Scheiß. Na warte, der werd ich's zeigen!'

'Skodefiiiiiix ...', ertönte eine klagende Stimme aus dem hinteren Teil des Häuschens. 'Skodefiiiiiix, mit wem redest du denn da? Hast du wieder die Holzscheite verzaubert weil dir langweilig ist? Skodefix es ist kaaaaaaaaaaaaaalt, kannst du mal das Feuer anmachen???'

'Da, jetzt haben wir den Salat, jetzt hat uns meine Frau gehört!', zischte Skodefix verärgert. 'Aber du hattest recht, das ist wirklich eine verdammt eilige Sache und ich werde mich auf der Stelle drum kümmern. Sobald ich das Feuer gemacht hab, natürlich. Damit ich keinen Ärger bekomme ...'

Ethel gab sich alle Mühe, sich ihr Grinsen zu verkneifen bis sie wieder draußen im Wald war. Dort aber konnte sie sich nicht mehr beherrschen und lachte so schallend, daß die Bäume sich weit nach unten bogen. 'Uuuuuuhuuuuuuuuuhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuaaaaaahahahahaaaa!!! der mächtige Zauberer steht soooooo unter dem Pantoffel!!!!'

'Skodefiiiiiiiiiix, hörst du die Käuzchen rufen? Bald wird wieder jemand sterben ...'

'Ja, du, wenn du nicht aufhörst mich zu nerven!' brabbelte Skodefix vor sich hin, während er mit fliegenden Händen das Holz in den Ofen schichtete und schließlich anzündete. Heftig schlug er die Ofenklappe zu und stapfte zurück in die Schlafkammer.

'Höre, Frau!', sprach er gebieterisch. 'Die Zwerge aus Unterbergen sind in Schwierigkeiten, ich muß ihnen zur Hilfe eilen. Erwarte mich nicht vor heute Abend zurück.'

Noch bevor seine Frau etwas erwidern konnte, war Skodefix aus dem Haus geeilt. Sicher ist sicher. Doch was sollte er jetzt anfangen? Wie konnte er den Brunnen wieder sauberbekommen? War das überhaupt möglich?

Als er in Unterbergen ankam war er entsetzt über das Ausmaß der Tragödie. Überall lagen die armen kranken Zwerge in der Gegend umeinander, nur vereinzelt staksten noch bleiche und zittrige Gestalten durch die Gassen. Es lag eine gespenstische Stille über dem gesamten Dorf. Wo sonst fröhliches Singen und Lachen ertönte, waren heute lediglich gedämpfte Kotzgeräusche zu vernehmen. Skodefix wurde bleich vor Wut. Diese grauenhafte Distella! Ihn anzugreifen war eine Sache. Nicht schön, aber er wußte sich zu wehren. Meistens. Aber den armen Zwergen den Brunnen zu vergiften, das ging zu weit! Dieses Mal hatte sie es übertrieben. 

'Die Rache ist mein!!!', brüllte Skodefix, daß sein Bart erzitterte. 'Ich bring die Schlampe um und tanze auf ihrem Graaaaaaaab!'

Schwach hoben die Zwerge in der vordersten Reihe ihren Kopf und blickten ihn aus trüben Augen an. 'Ahhhschhhaaaaaaaauuuuuuu, der Skooooooooodefiksch ...'

'Haltet aus, liebe Freunde!', rief Skodefix, 'ich bin gekommen um euch zu retten. Ihr dürft um Himmels Willen nicht mehr aus eurem Brunnen trinken! Wir müssen einen neuen Brunnen graben! Daß ihr dazu nicht mehr in der Lage seid, ist offensichtlich. Aber ich bin nicht umsonst der mächtige Zauberer Skodefix, ich werde euch einen zaubern. Und zwar einen viel schöneren als den alten. Und gleich ein paar hübsche Eimer dazu. Mit Henkel. Am besten in Blau, damit sie sich von den alten Rostkübeln da unterscheiden.'

Glucksend kam eine riesige Eule vorbeigeflogen und kreiste um seinen Kopf: 'Heast Skodefix, I glaub die Foab von die Eimer ist die Burschn mittlerweile total blunzn. Die brauchn a Wossa. Afoch nua Wossa ...'

'Mann Ethel echt! Wie soll ich mich konzentrieren wenn du mir ständig dazwischenquatscht?'

Wichtigtuerisch warf der Zauberer sich in Positur und rief: 'Walle Walle Gürtelschnalle, grabe Schaufel grabe! Es lacht die Küchenschabe, der Besen der lacht auch, hält sich sogar den Bauch. Tiefer tiefer wird der Schacht, bis die ganze Küche lacht. Ziegel Zagel rundherum, ei wie schaut Distella dumm!'

Und tatsächlich. In Windeseile ward ein tiefer Brunnen gegraben, mit einer hübschen Ziegelmauer rundherum und einer erklecklichen Anzahl leuchtend blauer Eimer am Rand, die sich Skodefix nun eilends schnappte und nach unten ließ, um das kühle frische Wasser aus dem neuen Brunnen zu schöpfen und an die armen durstigen Zwerge zu verteilen.

Ethel hatte sich mittlerweile wieder zurückverwandelt in ihre ursprüngliche Gestalt und half nach Kräften mit, auch wenn sie nicht mit würzenden Bemerkungen dabei sparte.

Spät am Abend, als die Rettungsaktion beendet, die Zwerge wieder wohlauf waren und Skodefix endlich wieder zuhause in seiner Stube saß, hockte plötzlich Ethel auf einem Bücherstapel neben ihm und schimpfte: 'Is halt wieder typisch Mann, oder? Kaum ist der Klamottennachschub gefährdet, da lauft ihr zu Hochform auf. Aber wenn man mal was von euch braucht, ein neues Bücherregal oder so, da hat der Herr Zauberer immer Ausreden parat. Das Pferd ist krank, die Frau ist krank, der Hammer ist krank ...'

'Halt die Klappe Ethel', murrte Skodefix. 'Ich mach dir ja dein neues Bücherregal. Ehrlich und versprochen! Aber zuerst muß ich Distella den Todesstoß versetzen. Weißt was ich grad schreib? Da kommst du nie drauf, deswegen sag ich es dir. Diese berauschende Flüssigkeit aus dem Zwergenbrunnen, die füllen wir jetzt nämlich in kleine Fläschchen und verkaufen sie an die Leute in den umliegenden Königreichen. Damit sind sie kampfunfähig und es wird NIE MEHR Krieg geben und wir verdienen uns eine goldene Nase. Ist das genial oder ist das genial??? Der Underberger Friedenstrunk. Meine Erfindung!'

Leise stieg Ethel auf das Fensterbrett und schwang sich in die Lüfte. Goldene Nase, ja klar. In uns selbst liegen die Sterne des Glücks. Ethel wußte das, und in der nahen Zukunft würde ein deutscher Dichter namens Heinrich Heine ihre Worte in die Welt hinaustragen. Doch wann würden die Menschen wirklich begreifen, daß Geld nicht das Wichtigste im Leben war?







Samstag, 24. September 2022

Der Waschbär (überarbeitete Version)



Neulich sind wir mal wieder so beieinandergehockt, die Jungs und ich. Michael war auch dabei, er hatte sogar zwei Bier mitgebracht. Als Einstieg sozusagen, damit es nicht gar so auffällt wenn er sich danach wie üblich nur durchschnorrt. Es ergab sich bald das übliche langweilige Geschwätz von wegen ‘damals wie ich in Stein war …’ nur daß dieses Mal auch einer aus Deutschland dabei war und von Kaisheim erzählt hat. Dort war zeitgleich mit ihm auch eine gewisse ‘Tina’ gesessen, also eh ein Mann aber halt als Frau zurechtgemacht und das immerhin in den 70-er Jahren, in Bayern, also Respekt. In den Arsch von Tina hat ein ganzes Schraubglas Kaffee hineingepaßt. Bei manchen Informationen frag mich ja, ob die unbedingt geteilt gehören. Wenn man jetzt bedenkt, daß Tabak und Kaffee im Hefn die angesagte Währung sind … da bekommt der Begriff ‘Geld waschen’ eine ganz andere Bedeutung.


Nach einer Weile hat der Joe gemeint er geht jetzt zur Tierhandlung und besorgt sich eine Ratte und ob wer mitgeht. Inzwischen waren wir schon gut pralle und uns war eh fad. Bier war fast aus, mußten wir eh bissl Geld besorgen um neues kaufen zu können, also warum nicht vorher mit zur Tierhandlung, cool, klar, gehen wir!


Keine Ahnung wieso, aber der Verkäufer in der Tierhandlung war gleich voll genervt, und da hat noch keiner von uns irgendwas gesagt gehabt. Und Ratten hätten sie auch keine mehr, weil die Punks die immer klauen und nach einer Weile werden sie ausgesetzt und die Hausfrauen kriegen einen Herzinfarkt, das könne man nicht länger verantworten und wir sollten doch jetzt bitte umgehend den Laden verlassen, die Leute würden schon schauen! Vollspießer. Die Leute schauen immer, ist das was Neues?


Nachdem wir uns unten am See mit einer frischen Runde Bier gestärkt hatten, kam Nietzsche auf die Idee, in den Tiergarten zu gehen. Irgendwie klar - Tierhandlung - Tiergarten - entbehrt nicht einer gewissen Logik.


Mir tun halt die armen Viecherln immer so leid wie sie eingesperrt vor sich hinsiechen oder stets dieselben drei Schritte vor und zurück machen weil im Käfig nicht mehr Platz ist. Aber die Jungs hat es total gefreut da drin, wahrscheinlich haben sie es genossen, ausnahmsweise mal auf der anderen Seite des Gitters zu sein.


Es war also eh ganz lustig, jedenfalls solange bis wir zu den Waschbären kamen. Nietzsche fing an, erregt auf und ab zu gehen, wir sahen uns besorgt an, wir kannten die Anzeichen. Gleich würde er mit irgendetwas um die Ecke kommen, was uns in arge Bedrängnis versetzen würde, aber widersprechen ging auch nicht, denn dann würde er böse werden. Und das will ganz sicher niemand, daß Nietzsche böse wird. Sozusagen epische Zahnarztrechnung. Muß man nicht haben.


‘August, das Tier erinnert mich an etwas, du weißt das, diese Maske um die Augen, August ich habe einen Plan!’


Wir duckten uns wie ein Mann, Nietzsche hatte einen Plan. August war bleich geworden und sah sich hektisch nach einem Notausgang um, aber Nietzsche kannte keine Erbarmen:


‘August, ich weiß jetzt was wir machen, wir machen eine Bank! Und zwar die am Keplerplatz, ich habe alles beobachtet, um 12 Uhr ist Mittagspause da ist nur einer drin, da kann überhaupt nichts passieren.’


‘Hör mal, Nietzsche, das ist prima, echt! Voll geiler Plan! Ich geh grad nochmal aufs Häusl ok?’ August verschwand eilig hinter den Büschen und ich drückte mich unauffällig seitwärts in dieselben, nur rasch weg, bevor der Ärger losging …


Ich hörte noch, wie Michael unwillig aufbegehrte, als er von Nietzsche am Ärmel gepackt wurde, aber ich hatte keine Minute zu verschenken. Wenn es so schon losging, dann war es höchste Zeit, zu verschwinden.


Dieser Ausflug war für lange Zeit der letzte, den wir in voller Besetzung unternommen hatten. Nietzsche und Michael sind am nächsten Tag in der Zeitung gestanden weil das Plastiksackerl, in das sie die Scheine hineingetan hatten, ein Loch hatte. Wir wußten also, daß wir sie nun ein paar Jahre nicht mehr zu sehen bekommen würden und es besser wäre, mal in Nietzsches Wohnung nach dem Rechten zu sehen, und die guten Schallplatten auf die Seite zu bringen, bevor andere alles ausräumen ...

Freitag, 17. Dezember 2021

Weihnachtsessen mit Musik

Wenzel haßte Restaurants. Allein der Gedanke, was das unterbezahlte und daher konsequenterweise unmotivierte und mieselsüchtige Personal alles in die Speisen fallen ließ, erfüllte ihn mit profundem Ekel. Essenseinladungen ging er daher, soweit möglich, stets aus dem Weg.

Außer natürlich, wenn diese vom Chef persönlich ausgesprochen wurde, wie jedes Jahr im Dezember. Dann gab es kein Drumrum. Da mußte man hin.
 
Als er die schwere, eisenbeschlagene Eingangstüre aufstemmte, schlug ihm der Geruch von mehrmals aufgekochtem Fett wie ein Brett ins Gesicht und ihm stiegen die Tränen in die Augen. Kaum hatte er sich wieder einigermaßen gefaßt, sah er sie schon hocken, die Speichellecker, die Ja-Sager, kurz: seine feinen Herren Kollegen.

Schief lächelnd steuerte Wenzel auf die kleine Gruppe zu, hoffend, daß man ihm wenigstens einen Platz freigehalten hatte und er nicht die Aufmerksamkeit aller Umsitzenden auf sich ziehen mußte indem daß man den Kellner bat, einen zusätzlichen Stuhl für ihn zu besorgen, er derweilen herumstehen mußte wie bestellt und nicht abgeholt, und sich schlußendlich irgendwo zwischen zwei der meistgehaßten Kollegen quetschen mußte, neben denen sonst niemand sitzen wollte.

Aber er hatte Glück im Unglück, Paul hatte seine etwas verspätete Ankunft vorausgeahnt und ihm einen Stuhl neben sich reserviert. Was keine Kunst gewesen war, denn von Paul, obwohl er wirklich ein feiner Kerl war, hielten die anderen gerne Abstand, da Hoffmann, der Chef, nicht gut auf ihn zu sprechen war und jeder fürchtete, daß dessen Unmut auf ihn abfärben könnte, wenn er zu oft in Gesellschaft Pauls gesehen wurde. Erleichtert ließ Wenzel sich auf den freundlich dargebotenen Sessel fallen und zog die Menükarte zu sich heran.

'Was nehmts ihr so?' nuschelte er halbherzig vor sich hin, während er unlustig die Auflistung des Gebotenen überflog. Du meine Güte! Was war das für ein Laden? Currywurst? Ernsthaft? Gebratener Leberkäs? Die Kollegen gegenüber, bereits hör- und sichtbar angetrunken, johlten ihm was von 'Schweinsbraten mit Knödeln, echt subbr' entgegen und ihm schauderte.

Letztendlich entschied er sich für eine Ofenkartoffel, damit konnten sie wohl nicht allzuviel falsch machen und er hatte seine Pflicht getan. Mußte sie ja nicht ganz aufessen. Leider gab es in diesem Etablissement keine Weinkarte, womit er auch nicht wirklich gerechnet hatte, auch das angepriesene Bier einer berühmt-berüchtigen lokalen Brauerei erzeugte allein beim Gedanken daran Übelkeit - somit bestellte er unter den höhnischen Blicken der Umsitzenden, mit Ausnahme Pauls, der ebenfalls ein nicht-alkoholisches Getränk vor sich stehen hatte, eine Apfelschorle. Aber nicht einmal diese war ihm vergönnt, und so mußte er mit einem kleinen Glas Fanta vorliebnehmen. 'Zuckerbrühe, widerliche', konstatierte er nach einem vorsichtigen Schluck, aber da mußte er jetzt durch. 

Bereits der erste Bissen der Ofenkartoffel machte das Maß voll. Lauwarm, steinhart und der lieblos darübergeträufelte weiße Gatsch hatte deutlich schmeckbar bereits einen ziemlich langen Aufenthalt im Kühlschrank in Gesellschaft einiger Fische und viel Knoblauch hinter sich. Was sollte das sein? Sauerrahm? Topfen? Oder hatte gar einer der Männer sich erfrecht, ihm einen besonderen Gruß aus der Küche ...???

Hastig erhob er sich, etwas von 'dringendem Bedürfnis' murmelnd und verschwand eilig in Richtung Häusln. Das konnte doch alles nicht mehr wahr sein! Warum hatte man ausgerechnet diese Kaschemme für das alljährliche Pflicht-Weihnachtsessen ausgesucht? Hätte man nicht ein anständiges Restaurant wählen können oder von ihm aus auch eine Pizzeria? Nein, es mußte ja der absolut hinterletzte Laden in Augsburgs verwinkelter Altstadt sein. Bis er den mal gefunden hatte! Deswegen war er ja auch als Letzter gekommen. Nicht nur wegen seiner ausgeprägten Unlust auf dieses 'gesellige Zusammensein' wie es fröhlich in der Rundmail beworben worden war, sondern weil er drei Passanten hatte fragen müssen, bis er endlich die Fassade der 'Drei Wilden Bäume' vor sich auftauchen sah. 

Der Drang, eine Zigarette zu rauchen, war mittlerweile übermächtig geworden und zu seiner großen Freude - zumindest eine an diesem Abend - entdeckte er neben der Küche eine Abzweigung, die direkt in den Hinterhof führte. Die Türe stand einladend offen, Wenzel trat hinaus in die abendliche Kühle und lehnte sich aufatmend an die Hausmauer. Gierig zündete er sich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Aaaaaaaah, das tat gut. Glücklich inhalierend betrachtete er den um diese Uhrzeit natürlich düsteren Hinterhof um sich herum, lediglich einzelne Fenster hingen wie verirrte Lichttupfer im vielfach schattierten Grau. Doch halt, was war das? Dieses Glitzern am Boden? Hatte hier etwa jemand seinen Schmuck verloren? Bei dem Klientele da drinnen würde es sicherlich nichts Wertvolles sein, doch schließlich gab es ja auch ideelle Werte und ... forschend beugte Wenzel sich nach vorne um das schwache Glitzern deutlicher in Augenschein zu nehmen. Doch gleich darauf fuhr er entsetzt wieder hoch, beinah hätte er sich den Hinterkopf an der Regenrinne angehauen. Ein Fingernagel! Das was da am Boden lag und feucht vor sich hinglitzerte war ein Fingernagel! Wie kam ein Fingernagel in den Hinterhof eines, naja, Restaurants???

Hastig trat Wenzel seine Zigarette aus und wollte sich soeben wieder auf den Weg zurück zur ekligsten Ofenkartoffel der Welt machen, da ertönte aus dem Fenster direkt über seinem Kopf wildes Geschrei. Eindeutig eine Frauenstimme. Augenblicklich zuckten wilde Bilder durch Wenzels Kopf: Gequälte Frauen sah er vor seinem inneren Auge, Frauen denen man die Fingernägel ausriß und aus dem Fenster warf, die mit glühenden Zangen und Zigarettenkippen gefoltert und anschließend vergewaltigt wurden. Was konnte er tun? Hinaufgehen? Niemals ... es blieb nur eins ... die Polizei zu rufen. Obschon er bislang eher unangenehme Begegnungen mit den Ordnungshütern gehabt hatte, zog er eilends sein Smartphone aus der Hosentasche und wählte mit zitternden Fingern die 110.

Später, als die lachenden Beamten ihm, noch dazu in Gegenwart seiner inzwischen völlig ausgelassenen, vor Heiterkeit beinah unter dem Tisch kugelnden Kollegen, eröffneten, daß es sich bei der Frau im Stockwerk über dem Restaurant keineswegs um ein gequältes Opfer handelte sondern um eine Opernsängerin, die ihr Domizil extra über der Kneipe bezogen hatte um hier ungestört üben zu können - da der Lärm aus der Gaststube ihren Gesang im allgemeinen zu übertönen pflegte - wollte Wenzel am liebsten im Boden versinken. Eine Opernsängerin? 

'Muuuhahaaa, der Wenzel, der Kunstkenner ...' johlten die Kollegen ... und Wenzel fragte leise: 'Ja aber, der Fingernagel???'

Später erfuhr er aus der Zeitung, daß die Opernsängerin wohl, in einem Anfall von Frust, nachdem es ihr nicht gelungen war, eine neu gelieferte Schachtel mit künstlichen Fingernägeln sachgerecht zu applizieren, von einem Wutanfall herkuleanischen Ausmaßes ergriffen, die ganze Schachtel einfach aus dem Fenster geworfen hatte. Dummerweise ihm direkt vor die Füße bzw. dahin, wo diese kurz darauf zu stehen gekommen waren. 









Sonntag, 5. Dezember 2021

Kontaktlos reisen?



Wer mich kennt weiß, daß ich sehr gerne lese. Zu meiner Wonne lebe ich in einer großen Stadt, in der man in fast jedem Viertel einen Bücherschrank finden kann, manchmal sogar mehrere. So griff ich auch heute, nach meinem Besuch im Nordbad, erfrischt wenn auch etwas fröstelnd in der kalten Dezemberluft, beherzt mehrmals in den Bücherschrank, der freundlicherweise direkt vor der in einem klassischen alten Gebäude untergebrachten Badeanstalt aufgebaut war. Einer der ersten Bücherschränke übrigens, der in unserer Stadt errichtet worden war.

Bepackt mit meinem Rucksack, der großen Tasche mit dem Bademantel und dem nur marginal kleineren Büchersackl wankte ich zur nächstgelegenen Haltestelle um nach Hause zu fahren. Kaum hatte ich die U-Bahn betreten, hörte ich eine unflätige Männerstimme lauthals fluchen: 'Du Fotze, du dreckige Fotze, schaut euch die Schlampe an!'

Mir fuhr der Schreck in alle Glieder denn für einen Moment glaubte ich, er meine am Ende gar mich, da ich in letzter Zeit einige sehr unschöne Erlebnisse in den Öffis gehabt hatte. Aufgrund der Tatsache, daß ich mich beharrlich weigerte, eine FFP2 Maske zu tragen, fühlten sich immer wieder Leute bemüßigt, mich über die aktualisierte Maskenpflicht zu belehren. Warum??? Schließlich habe ich meinen Impfausweis stets dabei und bin obendrein meist frisch getestet, sonst hätte ich ja z.B. auch das Nordbad nicht betreten dürfen - und ich trage immerhin eine chirurgische Maske um die Allgemeinheit vor meinem Giftatem zu beschützen - wovor hatten die Leute also Angst? Oder ging es einfach nur darum, recht zu haben und zu behalten? Die wahre Krankheit unserer Zeit? Erst wenige Tage davor hatte beispielsweise ein Mann mit dem Finger auf mich gezeigt und laut durch den gesamten Waggon geplärrt: 'DAS IST DIE FALSCHE MASKE!'

Sagt wer? Die Dummheit mancher Leute ist schon immer fast grenzenlos gewesen, und in dieser Zeit der Krise kommt diese Flachheit des Denkens einmal wieder prachtvoll zum Vorschein. Kein Wunder also, daß ich mich von den Beschimpfungen des weiterhin ordinär fluchenden Mannes in diesem Augenblick persönlich betroffen fühlte. Still setzte ich mich auf einen Platz, zog den Kopf ein und verstaute mein Handy im Rucksack, so daß ich für den Fall eines Kampfes die Hände frei hatte.

Offenbar jedoch stänkerte der Mann ganz allgemein dort hinten umeinander und ich begann, mich wieder ein wenig zu entspannen, wenn auch weiterhin ein diffuses Gefühl der Bedrohung und ein starkes Unbehagen blieb, denn der Stänkerer hörte nicht und nicht auf, umeinanderzukrakeelen, und ohne Brille wollte sich mir auch beim vorsichtigen Blick nach hinten nicht mehr erschließen als ein verschwommenes Gewirr von bunt gekleideten Leibern. Vorhölle, sozusagen.

Endlich oben im Norden der Stadt angekommen stolperte ich hastig aus dem Wagen, doch erst in dem Moment, in dem sich die Türen von lautem Signalton untermalt schlossen, stellte ich fest, daß ich mein Büchersackl unter meinem Sitz vergessen hatte! Hilflos mußte ich bei einem letzten Blick ins Wageninnere mitansehen, wie es ohne mich weiter Richtung Norden fuhr.

Zornig stapfte ich die Stufen hinauf ins Einkaufszentrum, wo ich in der Apotheke ein Medikament abzuholen hatte. Wie kopflos von mir! Die schönen Bücher! Unwiederbringlich verloren!

Natürlich wird der geneigte Leser jetzt einwenden können, daß ich die Bücher ja gratis bekommen hatte und daher kein materieller Verlust entstanden war - aber wer Bücher liebt der weiß, wie man sich über jedes einzelne freut und der Verlust auch dann spürbar schmerzt, wenn man keine Lawine dafür hat bezahlen müssen wie es früher grundsätzlich der Fall gewesen war.

Aber halt, war denn da garnichts mehr zu machen? Konnte ich denn nicht die Bahn wieder abfangen wenn sie an der Endstelle umgedreht war und zurück in die Stadt fuhr und diese auf der Suche nach den verlorenen Büchern von vorn nach hinten durchschreiten? Es war den Göttern sei Dank ein durchgehender Zug gewesen, keine aus einzelnen Waggons bestehende Garnitur, somit sollte sich die Suche innerhalb einer Haltestelle erledigen lassen.

Gesagt, getan, hoffnungsvoll begab ich mich wieder hinab ins Untergeschoß und wartete auf den nächsten Zug in Richtung Stadt. Welcher nach acht langen Minuten endlich kam (es war Samstag). Unter jeden Sitz blickte ich, die Leute sahen mich bereits seltsam an, bis ich auf einmal jäh zum Halten kam. Vor mir auf dem Boden lag ein Mann. Mitten auf dem Gang. Ob er betrunken war oder ganz einfach nur so gestürzt war, konnte ich natürlich nicht feststellen, aber er war alt, wie der zerrupfte graue Haarkranz verriet, der unter der verrutschten Mütze hervorlugte.

Erschrocken blickte ich um mich, sah noch wie einer der Umsitzenden dem Unglücklichen das Handy reichte, das ihm wohl beim Sturz entglitten war, und sich dann, genau wie der zweite ebenfalls anwesende Mann, wieder in das Seinige vertiefte. Ja und nun? Mußte man nicht helfen? Und wenn ja, wie? Was konnte ich tun? Nachdem ich keinen Führerschein besitze, habe ich auch nie einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht und stand der Situation völlig hilflos gegenüber. Sollte ich einfach aussteigen und so tun, als ob ich nichts gesehen hätte? Was sicherlich am Einfachsten gewesen wäre. Aber konnte man den Mann einfach so liegen lassen?

Vorsichtig, um nicht auch noch während der rüttelnden Fahrt den Halt zu verlieren, beugte ich mich zu dem Mann hinunter und fragte: 'Haben Sie sich was getan? Kann ich Ihnen aufhelfen oder haben Sie irgendwo Schmerzen?'

Schließlich bestand ja immer die Gefahr, daß man eine Fraktur disloziert, wenn man einen Gestrauchelten einfach so bewegt. Am Ende wäre er querschnittsgelähmt und ich wär schuld!

Mit verschleiertem Blick, der mich an meinen langjährigen, leider mittlerweile am Alkohol verstorbenen Freund erinnerte, sah der Mann mich lange an und meinte leise: 'Laßt mich doch alle in Ruhe ihr scheinheiligen Gutmenschen. Willst dir wohl ein Fleißbildchen vom lieben Gott abholen, was? Ich bin einfach müde und habe es mir hier ein Weilchen gemütlich gemacht. Hast ein Problem damit?'

Ich war baff. Getroffen ließ ich mich auf den Sitz neben seiner ausgestreckten Figur fallen und starrte ihn an. 'Naja', antwortete ich nach einer Weile 'es wird wohl deines Verweilens hier nicht viel länger sein mein ich mal, spätestens an der nächsten Endstelle wird der Fahrer durch den Wagen gehen und Streß machen. Willst des? Bullen und so? Glaub ned, oder?'

Erneut blickte der Mann nach oben und so etwas wie Erkennen blitzte in seinen schlauen kleinen Knopfaugen auf. 'Immerhin könnt ich als Kunstprojekt durchgehen, oder ned? Gefallener Mann ohne Maske.'

Stimmt, er hatte garkeine Maske im Gesicht! Das erklärte auch das hastige Zurückweichen der beiden anderen Männer vorhin. 

'Ja und was mach mer jetzt', fragte ich ihn ratlos. 'Magst da jetzt wirklich liegenbleiben? Ich mein, wegen mir aus und so, aber eigentlich wär's schon g'scheiter, sich wieder auf einen der Polster hinzusetzen. Der Boden ist sicher sauhart, oder?'

'Ja, dann hilfst mir halt auf, gibst ja eher doch keine Ruhe, aber mach langsam, ich bin ein alter Mann!'

Unter einigem Ächzen und Stöhnen schafften wir es tatsächlich, ihn auf einen der Sitze zu hieven, woraufhin er mit geschlossenen Augen in die Ecke sank und tief atmete. 'Diese Drecksmasken. Ins Auge ist sie mir gerutscht, ich hab nix mehr gesehen und bis ich g'schaut hab, bin ich da am Boden gelegen. Sag, hast mir vielleicht 'nen Euro für'n Bier? Hab heute noch garnich ordentlich gefrühstückt.'

Wie ich in meiner Hosentasche nach Kleingeld suchte sah ich aus dem Augenwinkel, wie ein Mann zwei Reihen weiter eine brombeerfarbene Stofftasche auf einen leeren Sitz stellte. Meine verloren geglaubten Bücher! Strahlend hielt ich meinem maskenlosen Freund einen Fünfeuroschein hin und rief: 'Schau, meine Bücher sind wieder aufgetaucht! Die hab ich nämlich vorhin vergessen beim Aussteigen und nun hab ich doch die richtige Bahn erwischt und hier sind sie wieder! Ich wünsch dir alles Gute und trink eins für mich mit!'

Beglückt griff ich nach dem Büchersackl und dankte beim Aussteigen im Stillen den Göttern, daß sie mich dazu verleitet hatten, den Mann am Boden anzusprechen. Denn wäre ich einfach wortlos der Situation entflohen, hätte ich meine Bücher und das hübsche Sackl aus Linz niemals wiedergesehen. Nicht nur werden kleine Sünden sofort bestraft, auch kleine Wohltaten werden mitunter unverhofft belohnt.