Sonntag, 16. August 2026

Ein gemütlicher Sonntagvormittag


Angefangen hatte alles damit, daß ich wegen des bevorstehenden Umzugs ein Foto von der Gästematratze und der Kirschkernunterlage im Wohnzimmer machen wollte. Für Kleinanzeigen. Zum Verschenken. Alter, war das Teil schwer. Also die Kirschkernunterlage. Hab ich mal in Grödig gekauft. Das ist südlich von Salzburg und ich bin auf meinen Spaziergängen immer wieder mal dort vorbeigekommen. 'Schlaraffenland' stand groß über der Türe. Aber wer sich nun einen Feinkostladen vorstellt mit Wein, Käse und anderen erlesenen Leckereien, der liegt falsch. Naturtextilien gab es dort. Alles vom Feinsten. Aus purer Neugierde hab ich mir diese Kirschkernunterlage gekauft. Aber nie benutzt. Viel zu hart. Hätte ich wohl mal probeliegen sollen vorher. Nun soll sie also verschenkt werden. Mühsam zog ich das schwere Teil von der Gästematratze und klappte diese hoch. 

Waaaaaaaaaaaaaaah! Panik! Alles voller Exuvien! Motten! Wie eklig! Hatte mich schon gewundert. Immer wieder fand ich so ein Vieh durchs Licht torkeln, hatte aber niemals herausfinden können, wo die herkamen. Ok, jetzt wußte ich es. Lebten glücklich und zufrieden in der Matratze mit dem weinroten Bezug. Die da seit 7 Jahren am Boden gelegen war. Pfui bah! Absaugen war unmöglich, also schnitt ich die Matratze in drei Teile und schleppte diese nacheinander die 3 Stock ohne Lift hinunter, zum Mülltonnenhäuschen. Als ich mit dem dritten Teil angekeucht kam, war dort drinnen grad ein Mann beschäftigt. Der kam raus, sah mich und erklärte mir, daß ich Schaumstoff aber nicht in den Restmüll geben dürfe, sonst müsse man ein Bußgeld bezahlen. Das sei Sperrmüll. Oh. Fuck! Panik! Die Leute im Haus konnten mich nicht ausstehen, das würde Ärger geben. Was tun? Na, das was ich immer mache wenn ich nicht weiter weiß: Ich fragte die KI. 

Diese gab mir den guten Rat, einen Freund zu bitten, mir die Teile doch zum Wertstoffhof zu fahren. Ja, witzig. Seit wann hab ich Freunde? Ja, dann könne ich die Matratzenteile ja in einen Müllsack wickeln damit die Viecher nicht auskommen, und im Keller aufheben bis ich eine Lösung gefunden hatte. Ok, gute Idee, ich also rauf, Müllsäcke geholt. Natürlich waren die Matratzenteile zu breit. Nur wenige Millimeter aber halt zu breit. War irgendwie klar. Nicht mein Tag heute. Also halt wieder raufgerannt, Schere holen, und die Säcke an der Seite aufschneiden. Dann ging's.

Voller Triumph schleppte ich die Pestmatratzen zu meiner Kellertüre. Doch das Ende der Tragik war noch nicht erreicht. Ich griff nach dem Schlüsselbund und erstarrte: Der Kellerschlüssel war weg! Das durfte doch nicht wahr sein! Eigentlich hab ich eh zwei, aber den zweiten hatte ich wenige Tage zuvor meinem Makler gegeben. Nachdem ich ihn endlich wieder gefunden hatte. Der war nämlich ebenfalls verschwunden gewesen, nachdem ich ihn einer Nachbarin gegeben hatte, damit sie in meiner Abwesenheit (mußte nach Augsburg wegen der anderen Wohnung) den Keller aufsperren kann für irgendsoeine Begehung. Sie hatte mir den auch ganz lieb wieder auf eine Karte geklebt wieder in den Briefkasten geworfen, aber dann war die Karte weg gewesen. Hab sie aber wieder gefunden beim Aufräumen. Lag ganz im Eck bei den Stiefeln. Wie die da wohl hingekommen sein mag? Egal. Nun war jedenfalls der erste der beiden Schlüssel weg. Die Bändchen, mit dem er am Schlüsselring befestigt war, war wohl schon ziemlich marode gewesen und daher gerissen. 

Ich wieder Panik. Was mach ich jetzt? Wenn ich die Matratzen einfach im Gang stehen lasse dann gibts hundertpro Streß mit den Spießern, die Verwaltung war eh schon grantig auf mich und der Beirat hielt mich seit Anbeginn für einen Volltrottel. Bin ich aber keiner. Bissl ein zerstreuter Tollpatsch vielleicht, aber kein Trottel!

Bin also wieder raufgesaust in die Wohnung und hab den Schlüssel gesucht. Erst diesen Morgen hatte ich den Schlüsselbund im Rucksack gehabt. Hoffnungsvoll öffnete ich den Reißverschluß. Nee, nix. Alles mögliche drin, sogar eine Ersatz-Tintenpatrone für meinen Füller, aber kein Kellerschlüssel. Ins Schlafzimmer gerast, die Hose aus dem Haufen am Boden rausgesucht die ich zuletzt angehabt hatte, in die Hosentasche gelangt: YEAH! Da war er! Freudig den gehobenen Schatz in der Hand bergend rannte ich wieder runter in den Keller, öffnete das Schloß und trug die Mistmatratzen in mein Abteil. Puh. Geschafft.

Nie mehr würde ich mich über die armen kleinen Spinnen echauffieren die ich ab und an in einer Ecke meiner Wohnung antraf. Tausendmal lieber eine Spinne als diese widerlichen Mottenviecher!

Eigentlich hatte ich ja nur möglichst viel Besitz loswerden wollen, um im neuen Heim sorglos, leicht und voller Frohsinn neu zu beginnen. Das mit dem „leicht“ hat nach gefühlten dreißig Stockwerken Treppenlauf jedenfalls schon mal geklappt – ich habe heute sicher zwei Kilo an Gewicht verloren ;-)














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