Ich weiß noch wie Gusti damals aus dem Knast kam. Ich hatte mittlerweile leider seinen Bruder geheiratet. Wir trafen uns am Kö nachdem ich meinen Putzjob beendet hatte und fuhren gemeinsam nach Hause. War eh klar, daß er bei uns pennte. Fand ich jedenfalls. Sigi war schon wieder pralle, öffnete nur ein Auge und fragte schroff: Hosch a Geld?
Tolle Begrüßung für einen Bruder, den man jahrelang nicht gesehen hatte.
Wir hausten total im Chaos. Ich war kurzsichtig und sah den Dreck nicht und Sigi war er scheißegal. Gusti war entsetzt und fing sofort an zu saugen und den Tisch ein bissl abzuräumen. Der war so vollgestellt mit Bierflaschen und allem möglichen Kram, daß nicht einmal die Paraphernalia Platz hatten, die man brauchte, um eine Pfeife zu bauen. Pappig war er auch. Da traf es sich wirklich bestens, daß Putzen ein Steckenpferd von Gusti war. Man erzählte sich in Kaisheim, daß er jeden Tag seine Zelle säuberlich ausgewischt hatte.
Später erfuhr ich, daß diese Angewohnheit ihre Wurzeln in seiner Kindheit hatte. Der Vater war alt und saß meist nur noch mit seinem Flachmann im Sessel und die Mutter war süchtig und hatte keine Energie für den Haushalt, schlief meist unter dem Geschirrspülen ein. Der große Bruder war mit Dealen beschäftigt und von früh bis spät hackedicht. Also mußte der kleine Junge dafür sorgen, daß es wenigstens halbwegs sauber war in der Wohnung.
Eigentlich hätte also endlich alles total gut sein können. Mit dem Untermieter verstanden wir uns ausgezeichnet, der kam aus der Lindauer Gegend wo gutes Gras wuchs, von dem er uns immer wieder gerne etwas mitbrachte. Leider war Sigi ein Arschloch. Statt sich zu freuen, daß sein kleiner Bruder wieder da war und für Ordnung sorgte, mußte er ihn immer wieder triezen, treffsicher kleine fiese Bemerkungen plazieren, bis er gereizt ausflippte und ihm eins in seine blöde Fresse haute. Die anderen holten ihn wieder unter dem Tisch hervor, er machte sich ein neues Bier auf, wischte sich das Blut aus dem Gesicht und es war erst einmal wieder Ruhe. Bis zum nächsten Mal. Wahrscheinlich hat er gespürt, daß Gusti und ich uns gut verstanden und es hat ihm nicht gepaßt. Statt sich zu ändern sekkiert man dann lieber den Konkurrenten.
Eines Tages war jemand auf die glorreiche Idee gekommen, die Geschirrspülmaschine in der Küche anzuwerfen. Gusti hatte Kuchen gebacken, es war sein Geburtstag gewesen aber niemand hatte gratuliert weil keiner auf den Kalender geschaut hatte. Die Küche stand voller Tassen und Teller an denen noch die Schlagsahne klebte. Die Abwasch sah nicht besser aus, also warum nicht die Maschine die Arbeit machen lassen? Was keiner von uns wußte: In eine Geschirrspülmaschine muß man so extra Tabs reintun.
Herbert im besoffenen Schädel leerte einfach normales Geschirrspülmittel rein.
Frage nicht. Es schäumte und schäumte und schäumte, bis die Küche voller Schaum war. Ewig schade, daß damals niemand eine Kamera besaß, das glaubt einem ja hinterher wieder keiner.
Wir standen im Flur und waren hin- und hergerissen zwischen Entsetzen und Lachanfall. Niemand wußte, was zu tun war. Irgendwann gab es einen Kurzschluß und die Maschine hörte auf zu schäumen. Natürlich war es Gusti, der das Chaos am Ende beseitigen mußte.
Seither hat niemand von uns jemals wieder eine Geschirrspülmaschine angelangt.
Was nicht mehr mit der Hand zu säubern war wurde kurzerhand weggeworfen.
Alles, nur nie wieder so eine vollgeschäumte Küche.

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