Freitag, 6. Februar 2026

Und sie tun es doch!


Bettwäsche soll man auslüften. Hab ich mal wo gelesen, aber noch nie gemacht. Doch jetzt fängt ein neues Leben an, hatte ich mir vorgenommen. So mit Ordnung und Putzen. Also hieve ich das Bettzeug auf die Fensterbank ... vielleicht hätte ich dort vorher staubwischen sollen ... und richte mich erwartungsvoll auf. Das schöne Gefühl von erfüllter Pflicht will sich jedoch nicht so recht einstellen. Hm. Dann könnte ich mir die Arbeit ja in Zukunft sparen! Den Milben wäre es sicherlich recht.

Es ist kalt bei geöffnetem Fenster. Draußen ist es noch dunkel, die Möndin ist nur ganz klein in der Ferne zu sehen. Mikromond nennt man das, wie ich neulich im Internet erfahren habe. Keine Ahnung, was die Leute immer gegen das Internet haben. Ich find's toll!

In der Wohnung gegenüber brennt auch schon Licht, was mich etwas verwundert, da die Leute dort oftmals bis weit nach Mitternacht auf sind und sich in ihrer rauchgeschwängerten Bude die Synapsen wegkiffen. Weder besonders interessant noch sehenswert, aber wer sich auskennt der kriegt's halt mit wenn er nachts zur Toilette wandert und dabei aus dem Fenster guckt.

Heute jedoch bietet sich dem noch etwas verschlafenen Auge ein völlig anderes Bild. Der absolute Traummann (lange schwarze Haare, schlank, wollig behaarte Brust) lehnt mit laszivem Grinsen im Gesicht an einem Schrank und schaut direkt zu mir hinauf. Erschrocken weiche ich zurück. Herzklopfen. Diesen Anblick muß ich erst einmal verdauen. Heiliges Zebra! Wäre ich doch 20 Jahre jünger. Ach was, 30. Dann könnte ich beispielsweise ein Pappschild hochhalten mit der Aufschrift 'Frühstück bei mir?'.

Würde mein jüngeres Selbst natürlich niemals tun. Viel zu schüchtern. Und jetzt wo ich die Nerven dazu hätte, bin ich zu alt. Wahrscheinlich hat er eh nicht mich gemeint, sondern einfach so vor sich hingegrinst und dabei zufällig in meine Richtung geschaut. Genau. So muß es gewesen sein. 

Nachdem ich genüßlich geduscht habe wandere ich, noch im Bademantel, ins Wohnzimmer hinüber wo es mollig warm ist. Zwar frühstücke ich selten wirklich ausgiebig, aber eine gute Tasse Tee und eine Banane dürfen es schon sein. Während ich den Bananenkorb durchwühle (René Gräber hat gesagt, je grüner die Bananen sind, desto gesünder für den Darm seien sie) höre ich plötzlich ein seltsames Knirschen von draußen. Ich lausche. DA! Wieder so ein seltsames Knarz knarz knarz ... als ob jemand ... da wird doch nicht etwa ein Einbrecher ...???

 Ich lösche das Licht und verhalte mich mucksmäuschenstill. Das Geräusch persistiert. Na warte Bürschchen! Ich greife mir meinen Knüppel, schleiche vorsichtig zur Balkontüre und reiße sie mit einem Ruck auf. 'Hände hoch!' brülle ich den Kerl an der gerade vorsichtig seinen Kopf über die Balustrade schiebt. Verdutzt blickt er mich an, dann breitet sich wieder das laszive Grinsen auf seinem Gesicht aus. Vor mir steht, auf einer Leiter zum Balkon hinaufgeklettert wie in einem alten Komödienstadl, der Traummann von vorhin. Immerhin hatte er sich eine Seppelhose angezogen, wie ich durch das Gitter hindurch mit Erleichterung bemerke.

'Offensichtlich bin ich gerade noch rechtzeitig gekommen,' lacht er frech, mit Blick auf die Banane, die ich noch in der linken Hand halte. 'Da hätte ich wahrlich Besseres zu bieten!' 








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